Das Edith-Russ-Haus für Medienkunst zeigt ab dem 31. Januar die Einzelausstellung „The Active Guest“ des Berliner Künstlerduos Nina Fischer & Maroan el Sani. Neben Arbeiten aus den vergangenen 15 Jahren ihrer Laufbahn ist auch die neue Videoarbeit „Die Marginalisierten“ zu sehen: eine Installation über die sogenannten Hobby-Indianer der DDR, die eigens für das Edith-Russ-Haus angefertigt wurde. In filmischen und fotografischen Bildern untersuchen Fischer & el Sani Gesellschaften im Wandel und verwenden dabei sowohl dokumentarische als auch fiktionale Elemente.

Zentrale Protagonisten ihrer Projekte sind oft urbane Räume und bedeutsame Bauwerke, die im kollektiven Gedächtnis einer Gesellschaft verankert sind – als Sinnbilder historischer Veränderungen und Umbrüche. Die poetisch-filmischen Untersuchungen des Künstlerduos verfolgen eine künstlerische Wiederbelebung solcher Orte, um deren verborgene Geschichte erfahrbar zu machen. So widmen sich Fischer & el Sani verschiedenen ikonischen Schauplätzen: Eine künstliche Insel in Japan, die nach dem Abbau unterseeischer Kohlevorkommen aufgegeben wurde. Ein faschistisches Bauwerk, das Benito Mussolini in Rom errichten ließ. Der Palast der Republik der ehemaligen DDR in Ostberlin. Die gezeigten Arbeiten umfassen sechs Videoinstallationen und zwei Fotoserien sowie eine Video-Bibliothek, in der dreizehn weitere Werke aus den Jahren 1995 bis 2016 zu sehen sind. Die 2-Kanal-Installation „Palast der Republik – Weissbereich“ aus dem Jahr 2001 wird als Projektion in den öffentlichen Raum im „Aquarium“ des Edith-Russ-Hauses abends von Sonnenuntergang bis Mitternacht zu sehen sein.

„Der Ausstellungstitel spielt auf die Rolle der Künstler als ‚aktive Gäste‘ im Umfeld verschiedener kultureller Umfelder an“, erklären Edit Molnár und Marcel Schwierin, die das Edith-Russ-Haus gemeinsam leiten. „Sie entwickeln intensive Beziehungen zu den jeweiligen Gemeinschaften, bewahren aber gleichzeitig den Blick des Außenstehenden und werden dadurch zu ebenso sensiblen wie kritischen Erzählern des gesellschaftlichen Umbruchs, den sie in ihren Arbeiten darstellen.“ Diese Herangehensweise eröffnet neue Möglichkeiten, Geschichte als Machtfantasie zu betrachten, gescheiterte Utopien zu kommentieren oder über potenzielle Zukunftsszenarien zu spekulieren.

Über Nina Fischer & Maroan el Sani
Nina Fischer (geboren 1965 in Emden) & Maroan el Sani (geboren 1964 in Duisburg) arbeiten als Künstlerduo seit 1993 in den Bereichen Film, Fotografie und Installation zusammen. Von 2007 bis 2010 unterrichteten sie als Associate Professoren für Film- und Medienkunst an der Sapporo City University, Japan. Seit 2015 ist Nina Fischer Professorin für Experimentellen Film und Medienkunst an der Universität der Künste, Berlin.

Fischer &  el Sani sind für ihre Arbeit unter anderem mit dem Karl-Hofer-Preis der Universität der Künste, Berlin, ausgezeichnet worden und erhielten Stipendien des DAAD in Tokio, der Cité internationale des Arts in Paris, des Stedelijk Museums in Amsterdam oder der Villa Kamogawa ? Goethe Institut, Kyoto. Beim International Film Festival Rotterdam 2019 gewannen sie mit „Freedom of Movement“ jüngst einen Ammondo Tiger Short Award.
Sie zeigten ihre Arbeiten bereits in zahlreichen Gruppenausstellungen und Biennalen, unter anderem auf der Manifesta 4, Frankfurt am Main, der Sydney Biennale, Istanbul Biennale, Gwangju Biennale und der Media City Seoul Biennale. Einzelausstellungen gab es unter anderem im Metropolitan Museum of Photography, Tokio, im Stedelijk Museum Bureau Amsterdam, im Austin Museum of Art – Arthouse, Austin, im MAMAM-Museum of Modern Art, Recife, K21 –Kunstsammlung Nordrhein Westfalen, Düsseldorf, sowie im Maxxi Museum, Rom.

Die Ausstellung wird gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der Stiftung Kunstfonds.