Am Donnerstag, den 7. Februar 2019, wird im Lindenau-Museum Altenburg die erste Ausstellung des Jahres eröffnet. Sie wird im Sammlungsraum der Gipsabguss-Sammlung installiert und bespielt diesen auf neue Art und Weise, indem sie sich der antiken mythologischen Figur der Sphinx widmet. Zum Anlass hat sie sich die Inszenierung von George Enescus Oper „Œdipe“ durch Theater&Philharmonie Thüringen genommen.

Wahrscheinlich ist es das berühmteste Rätsel der Menschheit: Was ist mit einer Stimme versehen und hat am Morgen vier Beine, am Mittag zwei und am Abend drei? – Die Sphinx stellt Ödipus vor den Toren Thebens diese Frage, die ihn das Leben kosten kann, aber er weiß die Antwort. Es ist der Mensch, der am Morgen seines Lebens auf allen vieren krabbelt, dann sich auf zwei Beine erhebt, bevor er am Lebensabend ein drittes Bein benötigt, den Stock. Nach des Rätsels Lösung stürzt sich die Sphinx in den Abgrund und Ödipus hat Theben von einer gewaltigen Bedrohung befreit.

Im Drama von Sophokles ist die Sphinx nach dem antiken Mythos vor allem ein Unheil stiftendes Wesen. Hervorgegangen aus der Verbindung zweier grausamer Monster, spielt sie eine entscheidende Rolle bei der Erfüllung des tragischen Schicksals von Ödipus.

Halb Mensch, halb Löwe, häufig mit Flügeln ausgestattet, stellt das Wesen nicht nur Ödipus vor Rätsel. Die Sphinx gilt bis heute als Symbol des Unergründlichen. Die griechische Kunst zeigt das Mischwesen aus einem Löwenleib mit einem lieblichen weiblichen Antlitz, aber auch in einem anderen Zusammenhang: Als Hüterin der Totenruhe stehen ihre Statuen auf Gräbern. Von hohen Säulen herab hält sie Frevler von Heiligtümern fern. Dank ihrer Vieldeutigkeit und ihrer geheimnisvollen unwiderstehliche Faszination aus. Die Ausstellung „Die rätselhafte Sphinx“ geht auf Darstellungen und Deutungen der Sphinx von der Antike bis zur Gegenwart ein. Ausgehend von dem mythologischen Stoff und der Oper, die in Form von großformatigen Fotografien die Kulisse der Exposition bildet, untersucht die Ausstellung die nur auf den ersten Blick unvereinbaren Wesenszüge der Sphinx im Wandel der Epochen vom Alten Ägypten bis zur Gegenwart und skizziert so eine Art kleine Kulturgeschichte der Sphinx.

Zu den Exponaten zählen neben antiker Keramik und Plastik, Gipsabgüssen, Büchern aus Lindenaus Bibliothek, verschiedenen Ausgaben und Bearbeitungen des sophokleischen Dramas sowie grafischen Blättern aus dem Werk Gerhard Altenbourgs auch Leihgaben aus den Antikensammlungen der Universitäten Jena und Leipzig, der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Abguss-Sammlung der Freien Universität Berlin und aus Privatbesitz.

Begleitend zur Präsentation im Lindenau-Museum Altenburg wird im Landratsamt Altenburger Land die Fotografie-Ausstellung „Œdipe“ gezeigt. Die Ausstellung wird vom Nationalmuseum George Enescu Bukarest zur Verfügung gestellt und kann vom 7. Februar bis 28. März 2019 besichtigt werden.

Die Oper „Œdipe“ wird im Landestheater Altenburg an folgenden Terminen aufgeführt:

Sonntag, 24.2.2019 / 18 Uhr (Premiere)

Freitag, 1.3.2019 / 19.30 Uhr

Donnerstag, 28.3.2019 / 14.30 Uhr


DIE SPHINX

Ursprünglich als Symbol der Macht und Autorität des Pharaos konzipiert, ist das Wesen mit dem menschlichen Kopf oder Oberkörper und dem Unterleib eines Löwen aus der materiellen Kultur des Alten Ägyptens nicht wegzudenken. Das wohl berühmteste Beispiel einer solchen – in der Regel männlichen – Sphinx ist die Große Sphinx von Gizeh (ca. 2614-2479 v. Chr.). Einige Funde aus dem anatolischen bzw. syrischen Raum deuten jedoch darauf hin, dass derartige Mischwesen bereits deutlich früher in der Vorstellungswelt der Menschen existierten.

Im späten 2. bzw. frühen 1. Jahrtausend v. Chr. gelangte die Sphinx durch kulturelle Einflüsse aus Vorderasien erstmals nach Griechenland, wo sie in den mythologischen Kosmos als Spross der gleichfalls monströsen Mischwesen Typhon und Echidna eingebettet wurde. Hier ist die Sphinx meist weiblich und wie im vorderasiatischen Raum geflügelt dargestellt. Neben ihrem unheilvollen Charakter, der unter anderem bei Hesiod und Sophokles zum Vorschein kommt, erhält die Sphinx jedoch auch positive Eigenschaften. Auf Stelen oder Säulenmonumenten postiert, fungiert sie als Schutz bringende Wächterin an Grabstätten oder in Heiligtümern.

Als beliebtes Schmuckelement, bisweilen gepaart mit anderen Fantasiewesen, dient die Sphinx während der Renaissance, des Barocks und des Klassizismus. Ob als Wandmalerei, Dekor am Kaminsims, Sargträger oder Skulptur im Garten – Sphingen vermitteln einen mal mehr, mal weniger authentischen Nachhall des Altertums, der mit der „Ägyptomanie“ im 19. Jahrhundert einen weiteren Impuls erhält. Indes entwickelt sich in der bildenden Kunst und in der Literatur mit dem Symbolismus ein Sphinx-Bild, das an den Frauentypus der Femme fatale angelehnt ist. Grundlage hierfür ist die Begegnung des Ödipus mit der Sphinx, die als spannungsvolles Geschlechterverhältnis gedeutet wird.