„Mit der Wahrheit ist das so eine Sache...“ Nicht allein die Redewende, auch aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Glauben, Religion, Politik oder Kunst machen deutlich, wie schillernd unsere Sicht auf die Wahrheit geworden ist. Was gestern noch Bestand hatte, scheint heute nicht mehr gültig zu sein. Mit dem Thema WAS IST WAHR greifen der von der Erzdiözese Freiburg ausgeschriebene Kunstpreis 2019 und das Kunstmuseum Singen, in dem die Ausstellung zum Kunstpreis gezeigt wird, ein Thema auf, das in Zeiten von Fake News, scheinbar grenzenlosem Informationsfluss, religiöser Verunsicherung und zerschredderten Bildern eine ganz eigene Brisanz entwickelt. Gibt es Wahrheit(en) – und wie stehen wir dazu? Die Ausstellung und das umfangreiche Rahmenprogramm laden ein, sich selbst im Diskurs eigene Positionen zu erarbeiten und diese ins Verhältnis zu setzen.

19 Arbeiten von 19 nominierten Künstlern, Künstlerinnen bzw. Künstlerkollektiven wurden von einer Fachjury aus 914 Bewerbungen ausgewählt, die das Thema aus zahlreichen Blickwinkeln – der Religion, der empirischen Wissenschaften, der Ethik, der Gesellschaft, der Kunst usw. – reflektieren. Die Schau vereint Arbeiten aus den Gattungen Video, Installation, Objektkunst, Malerei und Zeichnung zu einem Parcours, der Seh- und gedankliche Positionen in Frage stellt. Die Suche nach Wahrheit ist ein Wahr-Zeichen des Mensch-Seins.

„Für eine Kirche, die sich selber als fragende und suchende versteht“, ist, so Pfarrer Peter Stengele, der Referent a.D. für Kunst, Kultur und Kirche im Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg im Vorwort des Ausstellungskataloges, „die Kunst eine unverzichtbare Partnerin im Erkennen der großen Fragen der Menschheit und bei der Findung und Erschließung von elementaren Werten für eine humane Gesellschaft“. Der Kunstpreis versteht sich als Einladung zum Dialog – eine Einladung, die das Kunstmuseum Singen angenommen hat, indem es seine Räume für die Präsentation der Kunstwerke zur Verfügung stellt und mit den Partnern der Schau kooperiert. Wir danken Pfarrer Peter Stengele für die Vermittlung und Frau Dr. Isabelle von Marschall, die die Ausstellung zusammen mit Christoph Bauer, dem Leiter des Kunstmuseums Singen kuratiert haben, für die gute Zusammenarbeit. Sie setzt auch Impulse für das Zusammenspiel von Kunst und Kirche im westlichen Bodenseeraum.

An der Ausstellung WAS IST WAHR nehmen folgende Künstlerinnen / Künstler teil: Carola Faller-Barris (*1964 /Installation), Sabrina Fuchs (*1990 / Objekt), Andrea Hess (*1967 / Objekt), Jonas Hohnke (*1983 / Installation), Marianne Hopf (*1959 / Objekt), Agnes Märkel (*1963 / Zeichnung), Tara Mahapatra (*1970 / Hand- zeichnung), Hyunju Oh (*1988 / Video- und Toninstallation), Micha Payer (*1979) und Martin Gabriel (*1976 / Zeichnungen), Alexander Peterhaensel (*1978 / inter- aktive Medieninstallation), Chris Popovic (*1949 / Malerei), Ilka Raupach (*1976 / Objekt), Meike Redeker (*1983 / Videoprojektion), Alexander Rex (*1987 / Mixed- Media-Installation), Michael Rieken (*1953) und Stefan Demming (*1973 / Klang- Licht-Installation), Florian Schwarz (*1979 / Fotografie), Daniela Takeva (*1990 / Mixed-Media-Installation), Petra Weifenbach (*1961 / Objekt), Anna Witt (*1981 / Video). Aus diesen Finalisten werden die drei Kunstpreisträger (1. – 3. Preis) von der Jury bestimmt. Die Preisverleihung findet im Mai / Juni 2019 statt.

Zur Ausstellung bietet das Kunstmuseum Singen in Zusammenarbeit mit dem Referat für Kunst, Kultur und Kirche der Erzdiözese Freiburg, dem Bildungszentrum Singen, der Galerie Vayhinger und den Kirchengemeinden Singen und Hohenstoffeln-Hilzingen zahlreiche Veranstaltungen an, die das Thema WAS IST WAHR vertiefen. Herausgehoben seien gleich zu Beginn besonders der philosophische Workshop „Wirklich wahr?“ für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren am 2. Februar, in dem sich alles um Wahrheit(en) und (Not-)Lügen dreht, und die Veranstaltung mit Friedhelm Mennekes SJ, dem Begründer des Kunststation St. Peter in Köln am 5. Februar, der die Frage nach dem heutigen Verhältnis von „Kunst und Kirche“ stellt. Alle Veranstaltungen sind auf der Website des Kunstmuseums und im umfangreichen Flyer zur Ausstellung zu finden.

Zur Ausstellung erscheint im modo Verlag Freiburg der Katalog: WAS IST WAHR. Kunstpreis der Erzdiözese Freiburg 2019. Hg. von Isabelle von Marschall. Freiburg 2018 mit Texten von Klaus Müller, Freddy Paul Grunert und Cristina Fiordimela sowie Reflektionen zu allen ausgestellten Kunstwerken aus theologischer wie kunstwissenschaftlicher Sicht. Der Katalog kann im Kunstmuseum Singen zum Museumspreis von 18,- Euro erworben werden.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag (Feiertage): 14:00 - 18:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr
Geschlossen: Donnerstag, 28.2.2019

Weitere Informationen direkt unter: kunstmuseum-singen.de

Jonas Hohnke, ohne titel, 2015-2017, Wandfarbe, Bodenfarbe auf Leinwand, Sockel, Leinwandabdruck, © Jonas Hohnke
27.01. - 31.03.2019

Was ist wahr. Kunstpreis der Erzdiözese Freiburg 2019

Kunstmuseum Singen

Ekkehardstr. 10
78224 Singen