Westfälische Kunstverein die erste Einzelausstellung in Deutschland von Nel Aerts (*1987 in Turnhout, lebt und arbeitet in Antwerpen). Die Ausstellung findet im Tandem mit der Kunsthalle Lingen statt, wo Nel Aerts zeitgleich ebenfalls Arbeiten präsentieren wird.

Nel Aerts arbeitet in den Bereichen Performance, Malerei und Zeichnung – mit vielen installativen Elementen und figurativen Anteilen, die eine Identifikation und ein Nachspüren feiner menschlicher Emotionen in ihren Arbeiten möglich machen. Sie verwandelt den Westfälischen Kunstverein in ein „Haus der Wanderer“, eine Herberge, einen Ort, wo Reisende, Wandelnde, BesucherInnen auf eben jene temporären BewohnerInnen treffen, die die Künstlerin im Kunstverein einquartiert hat. Diese „BewohnerInnen“ begegnen uns in ihren Gemälden und Zeichnungen, wo sie in ihrer mal absurden mal anrührenden Figürlichkeit mit abstrakt-flächigen Mustern wetteifern. Ein solches Nebeneinander zeigt auch das Motiv dieser Einladungskarte mit dem noch schlaftrunken-orientierungslosen Mann unter dem Poster des ebenfalls reisenden Matisse. Dass Reisen nicht immer geografisch bemessen werden müssen, sondern auch Sprünge und Entwicklungen im Innern beschreiben können, ist Teil von Nel Aerts künstlerischer Praxis, die darin auch immer wieder sich selbst und die Erwartungshaltungen an eine Künstlerpersönlichkeit reflektiert. Wenn man so will, hat Nel Aerts ein Diptychon geschaffen, denn die Ausstellung im Westfälischen Kunstverein entstand in enger Kooperation mit der Kunsthalle Lingen, wo die Künstlerin parallel eine weitere Ausstellung entwickelt hat – beide Präsentationen ergänzen sich formal und inhaltlich und bilden die erste institutionelle Einzelausstellung Nel Arts‘ in Deutschland. Beiden Institutionen ist gemein, dass sie über Mitgliedschaften in der Stadtgesellschaft und der Region verhaftet sind; und doch gibt es viele Unterschiede, die eine solche Kollaboration sowohl für die Institution als auch für die Künstlerin wertvoll machen. Der Westfälische Kunstverein ist mit seiner Gründung im Jahr 1831 einer der ältesten Kunstvereine Deutschlands, behaust aber Räume in einem luxuriösen, neuen Museumsbau aus dem Jahr 2013, der auch das Westfälische Landesmuseum beherbergt, das der Kunstverein 1908 mithilfe seiner Sammlung altwestfälischer Tafelmalerei mitgegründet hat. Der Kunstverein Lingen hingegen hat sich erst 1983 gegründet und ist Träger der 1997 eröffneten Kunsthalle Lingen. Diese ist angesiedelt in einer alten Industriehalle (Halle IV) aus dem Jahr 1856, dem ehemaligen Reichs-, später Bundesbahn-Ausbesserungswerk. Selbstverständlich zeichnen sich auch die jeweiligen Städte durch unterschiedliche Prägungen und Historien aus, denen sich Nel Aerts bei ihren Ortsbesichtigungen im Juli 2018 widmete. Aufgrund dieser verschiedenen Konstellationen und Nel Aerts’ Talent sich in die individuellen Ausstellungsräume einzuschreiben, gehen wir fest davon aus, dass zwei Ausstellungen entstehen werden, die sowohl singulär als auch als „Diptychon“ funktionieren werden. 

09.03. - 12.05.2019

Nel Aerts: Haus der Wanderer

Westfälischer Kunstverein

Rothenburg 30
48143 Münster