Kaum war 1989 die Mauer gefallen, eigneten sich junge Hausbesetzer*innen, Künstler*innen, Galerist*innen und DJs aus Ost und West die Stadt an. Leerstehende Gebäude, Fabriken und Flächen wurden mit neuem Leben gefüllt, überall entstanden Clubs, Bars, Galerien, Ateliers und Studios. Musik vereinte eine Jugend, die von Freiheit und Anarchie träumte, und machte Berlin zum Epizentrum einer urbanen Nachtkultur. Die Berliner Club- und Galerienszene entwickelte sich zum Motor für die Wiederbelebung der Stadt und die Neuausrichtung einer ganzen Generation junger Kreativer. In Clubs wie dem Bunker, Tresor und E-Werk, WMF, 103 oder Party-Reihen wie Tekknozid wurde in den 1990er-Jahren die Ära der elektronischen Musik ausgerufen. Techno war der Soundtrack der neuen Freiheit und Ostberlin die Geburtsstätte vieler heute international erfolgreicher DJs, wie Paul van Dyk, Paul Kalkbrenner oder Modeselektor. In Kombination mit visuellen Effekten spiegelte das Clubleben die neuen künstlerischen Ansätze und Grenz- bereiche zwischen Video, Film, Projektion und Musik wieder. Diese Verbindung von Clubkultur und Kunst bot vielen aufstrebenden Künstler*innen neue Perspektiven und Räume für Austausch, Begegnung und gemeinsames Feiern jenseits von Alltag und Vernunft.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends bekam die Clubszene noch einmal neuen Aufschwung. Günstige europäische Flugverbindungen, zusammen mit einer neuen Welle an Clubs, wie der Bar 25, dem Watergate und Berghain und den scheinbar nie enden wollenden Partys lockten immer mehr Technotourist*innen in die Hauptstadt. Künstler*innen, Labelbetreiber*innen, Partyveranstalter*innen und Promoter*innen aus der ganzen Welt zogen nach Berlin und gaben dem Sound der Stadt stetig neue Impulse – ein Prozess, der bis heute anhält.

Mit dem Ausstellungsprojekt No Photos on the Dance Floor! Berlin 1989—Today wird die Berliner Clubszene seit dem Fall der Mauer einerseits historisch dokumentiert und andererseits „live“ erfahrbar gemacht. Die Ausstellung präsentiert tagsüber Fotografie, Video und Film sowie dokumentarisches Material und bietet so einen Einblick in die Entwicklung der Berliner Clubkultur der letzten 30 Jahre. Nachts wird ein Teil der Ausstellungsfläche bei C/O Berlin zum Club: Mit den Bildern der Ausstellung im Kopf und den Beats im Ohr können die Besucher*innen auf einer Reihe von Partys mit bekannten DJs, Sound- und Visualkünstler*innen der damaligen und aktuellen Clubszene bei C/O Berlin die Nacht durchtanzen und das Erlebnis erneut zur Kunst machen.

Der Titel der Ausstellung No Photos on the Dance Floor! bezieht sich auf eine Berliner Besonderheit: Während in anderen Städten das Fotografieren fester Bestandteil der Ausgeh- und Nachtkultur ist, herrscht in den meisten Berliner Clubs striktes Bilderverbot. Das Nichtfotografieren hat hier vor allem zwei Gründe: Die Tänzer*innen sollen sich ungestört von Kameras in der Musik verlieren können und sich dabei frei und geschützt fühlen.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Felix Hoffmann (Hauptkurator . C/O Berlin Foundation) und Heiko Hoffmann (Gastkurator), und zeigt Werke von Camille Blake, Tilman Brembs, Ben de Biel, Salvatore Di Gregorio, Martin Eberle, Matthias Fritsch Dan Halter, Honey-Suckle Company, Erez Israeli, Romuald Karmakar, Steffen Köhn & Phillip Kaminiak, Anna-Lena Krause, Tilmann Künzel, Sven Marquardt & Marcel Dettmann, Marco Microbi, George Nebieridze, Alva Noto, Daniel P umm, Mike Rie- mel CollectionCarolin Saage, Giovanna Silva, Wolfgang Tillmans, Lisa Wassmann und Michael Wesely.

Eine gleichnamige Publikation herausgegeben von Felix Hoffmann und Heiko Hoffmann sowie Texten von Laura Aha, Christoph Cadenbach, Felix Denk, Martin Eberle, Jan Kedves, Kito Nedo, Jan Rohlf, Thilo Schneider, Philip Sherburne, Wolfgang Tillmans und Alexis Waltz begleitet die Schau und erscheint im Prestel Verlag, München.

Marco, Insel der Jugend, 1991 © Tilman Brembs
13.09. - 30.11.2019

No Photos on the Dance Floor! Berlin 1989—Today

C/O Berlin Foundation

Hardenbergstrasse 22-24
10623 Berlin