Es ist kein Wunder, dass Enberg seine Objekte mit zu vielen Richtungen durchsetzt. Mit zu vielen Möglichkeiten. Er dehnt ihre Beziehungen aus, forciert genau dieses Verflechten ihrer Relationen und Entwicklungen, die nicht länger auf physische Vitalität und physische Körpergrenzen limitiert, sondern auf ihre besonderen Umstände ausgeweitet werden. Wie Nigel Thrift hervorhebt, endet der physische Körper nicht mit dem Fleisch, sondern erstreckt sich über eine permeable Matrix relationaler Vorgänge. Er ist fortlaufend. (1)

Selbst im Kern ist er eine bunte Ansammlung von ersetzbaren Formen, die miteinander in Beziehung stehen. In der Terminologie von Serres ist dies eine Art „Exo-Darwinismus“ (2), nicht mehr nur ein physischer Evolutionstanz, sondern ein kultureller, semiotischer Werkzeuggebrauch, der uns immer mehr als Einen, aber weniger als Zwei macht (um Donna Haraway zu paraphrasieren). (3)
„Ich arbeite diese Überlappung aus, weil ich denke, dass dies ein nützlicher Weg ist, Enbergs Beschäftigung mit Entropie zu interpretieren. In der Tat, was könnte lebloser sein als die Krippenszene? Und doch, durch dessen Bezeichnung als historische Geste, erneuert Enbergs Verfahren das Narrativ nicht nur und macht es zu einer Art Umkehrung, bei der man wiedergeboren werden kann, sondern er legt auch das strukturelle Equilibrium dieser Erzählung offen.“ (Auszug aus Rosencrantz and Guildenstern are still dead!, übers., Hamish Win, 2017)

(1) Nigel Thrift, Non-Representational Theory. Space, Politics, Affect, London, New York 2008.
(2) Michel Serres, Malfeasance, Malfeasance. Appropriation Through Pollution, übers. Anne-Marie Feenberg-Dibon, Stanford 2011, 37. (3) Donna Haraway, When Species Meet. Minneapolis, 2008.


Oscar Enberg *1988 in Neuseeland, lebt und arbeitet in Berlin.

Einzelausstellungen (Auswahl): Taste and Power, a prologue (2018), Hopkinson Mossman, Auckland; Red Beryl and crocodile Opal (Irrational Exuberance in the White Man’s Hole) mit Hopkinson Mossman, Statements, Art Basel 2017; Der Amethyst, Die Opale,
Die Agamemnon (2017), kuratiert von Maurin Dietrich, Frankfurt am Main; und Troubles de la Croissance (der ursprung des pendels) (2016-18), Auckland Art Gallery Toi o Tamaki. Gruppenausstellungen u.a.: ARS VIVA 2018 (2017-18), S.M.A.K., Gent, und Kunstverein München; First as fiction, then as myth (kuratiert von Sophie O’Brien), Govett-Brewster Art Gallery, New Plymouth und Les Règles du Jeu / The Rules of the Game (2015), Centre Pompidou, Paris. Oscar Enberg war 2016/2017 Stipendiat des Creative New Zealand im Rahmen des Internationalen Atelierprogramms und erhielt 2018 den Ars Viva Preis.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 14:00 - 19:00 Uhr
Montag: geschlossen
Während der Ausstellungslaufzeiten

Weitere Informationen direkt unter: bethanien.de

18.01. - 10.02.2019

Oscar Enberg: The first cuck, St Joseph

Künstlerhaus Bethanien

Kottbusser Straße 10
10999 Berlin