YounGHo lee bezieht ihre Inspiration aus den visuellen Technologien, aus Kino, Film- und Sozialgeschichte und führt Elemente aus den verschiedenen Medien in ihren Arbeiten zusammen. In ihren immersiven Installationen schafft sie Umgebungen für experimentelle kinetische Set-ups, die den Besuchern neuartige Erfahrungen von Zeit und Raum, Befremden und Vertrautheit ermöglichen. Ein Hauptaugenmerk Lees liegt auf der Erforschung der Wechselwirkungen zwischen digitalen Medien und menschlichen Sinnen. Hierfür kreiert und experimentiert sie mit synästhetischen, fantasievoll die Realität spiegelnden Film- und Multi-Screen-Videoinstallationen, für die sie oft historische Motive aufgreift und in eine eigene künstlerische Sprache überträgt.

Lees Arbeit befasst sich vor allem mit der Relativität des Fortschritts von Technologie und Menschheit – dies aus dem Blickwinkel einer dezidiert östlich geprägten Sensibilität. Während sich in der östlichen Betrachtungsweise Technik und Natur gleichberechtigt in ein ganzheitliches Ideal einfügen, werden in der Westlichen Welt Technik und Wissenschaft vorrangig als Mittel zur Beherrschung der Natur durch den Menschen betrachtet.

In Clinamen – Matter Misprision untersucht Lee mithilfe von 16mm-Film und Videoinstallation sowie Fotografie unser Verständnis von der Rolle sozialer Medien, Technologien und Daten in unserem Leben und inwieweit diese es erlauben, unsere Aktivitäten wahrzunehmen und nachzuverfolgen. Das Aufkommen von Populismus, Manipulation der öffentlichen Meinung sowie staatliche und inkorporierte Überwachung können Demokratie einschränken; die Möglichkeit einer Überwachungsgesellschaft kann sich als Dysfunktion sich wandelnder Medien manifestieren. Basierend auf Videoarbeiten, spielen die installativen Elemente, die den Film umgeben, ebenfalls eine wichtige Rolle. Lee versucht, eine zwiespältige Erfahrung zu erzeugen, indem sie den Akt des Eintauchens in die Film- installation und realistische Elemente gegenüberstellt. In ihrer Installation aus 16mm-Film, Videoprojektion und Fotografie überlappen und kollidieren visuelle Elemente aus Computergrafiken, dreidimensionale Bilder und Chroma-key-Kompositionen und lassen die Besucher in eine Art disharmonische Erfahrung zwischen virtueller Realität und Wirklichkeit eintauchen.


Youngho Lee *1979, lebt und arbeitet in Berlin und Seoul, Südkorea. Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Städelschule, Frankfurt a. M. (Meisterschülerin bei Simon Starling, 2006). Teilnahme an Stipendienprogrammen von Apex Art, New York (2017), Seoul Art Space Geumcheon Residency (2016/ 2017), Künstlerdorf Schöppingen, NRW, Deutschland (2011) sowie zahlreichen Ausstellungen, u.a. Anita Beckers Galerie, Frankfurt a. M., Städelmuseum, Frankfurt a. M., Arko Art Center und Asia Culture Center, Seoul, Korea.

Derzeit ist Youngho Lee als Stipendiatin des Arts Council Korea im Künstlerhaus Bethanien zu Gast.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 14:00 - 19:00 Uhr
Montag: geschlossen
Während der Ausstellungslaufzeiten

Weitere Informationen direkt unter: bethanien.de

18.01. - 10.02.2019

Youngho Lee: Clinamen – Matter Misprision

Künstlerhaus Bethanien

Kottbusser Straße 10
10999 Berlin