In Kyoco Taniyamas Praxis ist das Konzept der Ubietät – das Verortetsein in einem bestimmten Kontext, an einem bestimmten Ort – allgegenwärtig. Ihre multimedialen Installationen sind vielschichtige Interpretationen dieser Wechselbeziehung zwischen Orten, Personen und Identitäten mit Blick auf Kultur, Geschichte und Lebensalltag an einem bestimmten Ort. Die Erfahrung des verheerenden Erdbebens 2011 in Japan, in dessen Folge sie als freiwillige Helferin mitwirkte, entwurzelten Menschen wieder 'einen Ort zu geben', brachte die Künstlerin dazu, Koordinaten von Längen- und Breitengraden sowie Fotos und Videoaufnahmen von Orten als konstituierende Elemente in ihre Arbeiten einzubeziehen. Aktuell gilt Taniyamas Interesse dem Umgang von Politik und Gesellschaft mit negativen Aspekten und Ereignissen in Gegenwart und Geschichte und der Tendenz, diese nicht aufzuarbeiten, sondern verbergen zu wollen. Im Frühling, Sommer und Herbst durchwanderte sie jeweils die gesamte Strecke des ehemaligen Mauerstreifens durch die Mitte Berlins und fotografierte Brachen, alte Anlagen, aber auch aktuelle Hinterlassenschaften wie Müll. In der Ausstellung zeigt sie eine so entstandene s/w-Fotoserie, die mit künstlerischen Kommentaren in Form von Cutouts versehen wurde.

Taniyama fügt Weggeworfenes, das sie sammelt – Dosen, rostiges Metall, leere Flaschen – zu abstrakten Skulpturen, die sie fotografisch und per Video dokumentiert, bevor sie Gips darüber gießt und harmonisch geformte künstlerische Metaphern für das Verbergen kreiert. Mit den Videoaufnahmen der Müllskulpturen, die als Projektion gemeinsam mit den Gipsskulpturen gezeigt werden, legt Taniyama gleichzeitig Ursprung und Prozess dieses Verbergens offen. Sie präsentiert die Werke ihrer Installation als experimentellen Rundgang, der dem Betrachter die Möglichkeit gibt, einen stets neuen Blickwinkel auf die Dinge einzunehmen.

An Samstagen und Sonntagen zwischen 16 und ca. 17 Uhr bietet die Künstlerin den Ausstellungsbesuchern Gelegenheit, den Duft eines wertvollen Räucherwerks zu erfahren, das aus dem schweren Harz des Agerbaum- Holzes gewonnen wird, das im Wasser sinkt und somit auf Taniyamas Ausstellungstitel verweist.
"Stone will flow, leaves will sink [Stein wird fließen, Blätter werden sinken]" ist eine japanische Redewendung. Es handelt sich um eine Metapher, mit der ungewöhnliche oder widersprüchliche Abweichungen von erwarteten politischen Ergebnissen oder Bedingungen gekennzeichnet werden. Der Ausdruck verurteilt unethische politische Entscheidungen oder nicht zu rechtfertigende Aspekte der Gesellschaft und wird daher verwendet, um Ungleichgewichte sowohl im japanischen als auch im internationalen politischen Umfeld zu kritisieren oder richtig zu stellen.


Kyoco Taniyama *1972 in Aichi, Japan, lebt und arbeitet in Berlin und Tokyo. 


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 14:00 - 19:00 Uhr
Montag: geschlossen
Während der Ausstellungslaufzeiten

Weitere Informationen direkt unter: bethanien.de

18.01. - 10.02.2019

Kyoco Taniyama: stone will flow, leaves will sink

Künstlerhaus Bethanien

Kottbusser Straße 10
10999 Berlon