UMBO – dieser Name steht als Synonym für eine Art ‚Urknall‘ der modernen Fotografie Mitte der 1920er-Jahre: Geboren 1902 in Düsseldorf als Otto Maximilian Umbehr gilt UMBO als Erfinder des Bildes der Neuen Frau, des neuen Bildes der Straße, der fotografischen Reportage schlechthin. Sein Name steht für die in den 1920er-Jahren vor allem von osteuropäischen Immigrant*innen beflügelte Medienmetropole Berlin, für eine sich rasant entwickelnde Film-, Musik-, Theater- und Kleinkunstszene, für Blicke in die Hinterhöfe und Wohnküchen überquellender Mietskasernen.

Dank der Impulse durch seinen Bauhauslehrer Johannes Itten und seinem Künstlerfreund Paul Citroen wurde UMBO quasi über Nacht als Fotograf berühmt und nahm an allen bedeutenden Avantgardeausstellungen seiner Zeit teil. 1943 wurden Atelier und Archiv des Künstlers in Berlin durch Bomben völlig zerstört. Sein Versuch, nach dem Krieg an die frühere Existenz als Fotograf der Avantgarde anzuknüpfen, scheiterte. Erst 1979, kurz vor seinem Tod, erlebte er in der Spectrum Photogalerie im Kunstmuseum Hannover mit Sammlung Sprengel (heute Sprengel Museum Hannover) seine erste Einzelausstellung im musealen Kontext. 1995 widmete ihm Herbert Molderings eine legendäre Retrospektive.

Diese Ausstellung präsentiert eine Auswahl von rund 200 Werken und zahlreiche Dokumente. Sie speist sich wesentlich aus dem Nachlass UMBOs. Über Jahrzehnte von Phyllis Umbehr, der Tochter des Künstlers, und Rudolf Kicken (Galerie Kicken) behütet und bewegt, konnte der Nachlass UMBOs 2016 dank des Engagements zahlreicher Partner von der Stiftung Bauhaus Dessau, der Berlinischen Galerie und dem Sprengel Museum Hannover gemeinsam erworben werden. Mehr als 600 Fotografien und umfangreiches Quellenmaterial, ergänzt um frühere Erwerbungen der Partnerinstitutionen Berlinische Galerie und Stiftung Bauhaus Dessau, im Fall des Sprengel Museum Hannover aus dem Nachkriegsarchiv REPORT/ Simon Guttmann, London, bilden den Hintergrund. Es ist ein umfangreicher Katalog erschienen (48 Euro).