Die in Berlin lebende schwedische Künstlerin Anna Uddenberg beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Konventionen, Normen, Strukturen, Rhetoriken und hinterfragt Denk- und Sehgewohnheiten sowie unsere mentale und physische Mobilität. Mit ihren Skulpturen und Installationen reflektiert sie unsere Zeit, unseren Alltag und untersucht, wie sich die Konsumkultur auch durch neue Technologien – insbesondere die sozialen Medien – verändert. Sie analysiert Gesellschafts- und vor allem Repräsentationssysteme und hinterfragt explizit die Rolle, das Rollenmuster und -klischee von Frauen, wobei auch die eigene Verortung als Künstlerin werkimmanent ist.

Vor allem ihre aus Ton modellierten und anschließend in Harz ausgeführten Skulpturen von durchtrainierten Frauenkörper (-teilen) mit Hightech- Sportswear in Pastell und Boots oder Sneakern – manchmal auf industriell hergestellten Koffern oder Sitzen/Podesten sitzend – ironisieren ebenso mit ihren makellos geformten Körpern und Körperteilen, wie „die zeitgemäße junge Frau“ idealerweise auszusehen hat, entlarven aber auch den Blick der Frauen auf sich selbst. Mit ihren stark überdehnten Körpern bieten die Figuren ein fast akrobatisches Stillleben im Raum und eine dichte, spannungsreiche Narration, um eine vermeintliche Vollkommenheit zu präsentieren.

Ihre scheinbar funktionalen und Komfort, Luxus und Sicherheit suggerierenden „Sitzmöbel“ sind ein mögliches, kryptisches Extrakt der Figurationen mit abstrakten Additionen – sie scheinen eine Reduktion geschlechtsspezifischer Darstellung weiblicher Identität zu sein. Als hybride, unrealistische „Idealtypen“ belegen sie das Interesse der Künstlerin an Raum (für Reflektion gesellschaftlicher Verhältnisse und Utopien) und an Repräsentationsformen.

Uddenbergs künstlerische Strategie durch Überzeichnung einer Figur(ation), das Dekonstruieren und Konstruieren als collagierte Synthese von objet trouvés und Handgefertigtem bietet ein (Ab-)Bild der modernen Gesellschaft, was eine manchmal visuell irritierende, aber überraschende Hinterfragung von Werten zulässt.

05.04. - 15.09.2019

Anna Uddenberg

Bundeskunsthalle Bonn

Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn