Für den Winter 2019/20 entwickelt die Bundeskunsthalle eine umfassende Retrospektive zum Werk von Martin Kippenberger (1953–1997). In enger Abstimmung mit dem Estate of Martin Kippenberger wird ein groß angelegter Überblick seiner intensiven 20-jährigen Schaffenszeit erarbeitet, der die besondere Komplexität seines Werkes in all seinen Facetten aufzeigen soll. Sein reiches Œuvre umfasst Zeichnungen, Plakate, Collagen, Multiples, Künstlerbücher, Fotografien, Musik, Malerei, Skulptur und raumgreifende Installationen, was die Ausstellung widerspiegeln wird.

Martin Kippenberger war einer der medial und stilistisch vielschichtigsten und wichtigsten deutschen Künstler, der die 1980er- und 1990er-Jahre maßgeblich geprägt hat. Sein Schaffen führte schon zu Lebzeiten zu einer herausragenden Position innerhalb der zeitgenössischen Kunstgeschichte. Es wirkt international bis heute nach, war er doch auch Lehrer und künstlerisches Vorbild für nachfolgende Künstlergenerationen.

Kippenbergers künstlerische Gesten spiegeln nur scheinbar einen unbekümmerten Dilettantismus, den er jedoch wohl durchdacht und strategisch einsetzte. Sein Werk ist geprägt von überbordender, manchmal grenzüberschreitender Kreativität, großer Empathie, sowie inhaltlicher und formaler Diversität, die sich sowohl in Ernsthaftigkeit als auch in Pathos äußern kann – er war ein Meister des bewussten ‚Spiels‘, des Auslotens und Zusammenfügens.

Seine Titel liefern meist einen Schlüssel zu den Themen, die oft in Serien dekliniert und variiert wurden; seine Methode des Kombinierens, Zitierens (auch eigener Werkelemente), des Sampelns – auch aus ungewöhnlichen Kontexten – führt zu einer weiteren Reflexionsebene und lässt das Werk als ein Geschlossenes erscheinen. Die Vielgestaltigkeit, das selbstverständliche, unkonventionelle, humorvolle, oft selbstironische Spiel mit Formen und Inhalten, oder das Hinterfragen des Sinnhaften oder eines bestehenden Werkbegriffes stellt ihn darüber hinaus auch in eine dadaistische Tradition. Seine Arbeit basiert auf einer profunden Kenntnis der Kunstgeschichte und der scharfen Beobachtung des alltäglichen Lebens; sie war immer eng mit seiner Biografie, seiner Haltung und seinem Rollenverständnis als Künstler verbunden.

01.11.2019 - 16.02.2020

Martin Kippenberger: BITTESCHÖN DANKESCHÖN. Eine Retrospektive

Bundeskunsthalle Bonn

Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn