"Die Hand vor Augen"... die Erfahrung, die einem dazu sofort in den Sinn kommt, ist orientierungslos im Dunkeln zu tappen und selbst das Naheliegende, nämlich die eigene Hand, die man sich zur Selbstvergewisserung vors Gesicht hält, nicht zu erkennen. Es ist diese Art von scheinbar einfachen Sinnbildern, Gesten und Erfahrungen, die Wolf von Waldow als Rohmaterial nutzt, um sie zu komplexen Bilderfindungen zu verdichten. Zunächst vermitteln seine monochrom schwarzen Laserschnitte aus Stahl den überzeugenden Eindruck von Klarheit und Motivreduktion. Erst auf den zweiten Blick erkennt man ihre semantische Überdeterminierung.

Wolf von Waldow führt die reduzierte Zeichensprache der funktionalistischen Moderne mit der Welt kommerzieller Logos, mit Piktogrammen, aber auch mit historischen Darstellungsformen wie Allegorie, Emblem oder dem in der Romantik so populären Scherenschnitt zusammen. So entstehen sensible und vieldeutige Bildzeichen für unsere von Informationsflut, Warenfetischismus und Sinnsuche gekennzeichnete Zeit. In seinen neuen Arbeiten überträgt er dies ausgefuchste Bedeutungsspiel, das er zunächst im Rahmen seiner Tapetenarbeiten entwickelt hat, in den Raum. Als gewissermaßen zweidimensionale Plastiken gewinnen sie damit eine weitere Erfahrungsebene hinzu.

In den poetischen Piktogrammen der Reihe "Narrativ" spiegelt Wolf von Waldow Fragmente der brisanten Erzählungen unserer Zeit: Heimat und Migration, Umwelt und Individuum, Kommerz und Sinnsuche. Die einzelnen Teile der Arbeit "Masterplan", die gerade für die Ausstellung im Neuen Kunstverein entsteht, erinnern zwar an Verkehrszeichen, bieten aber keine konkreten Handlungsoptionen an. Es sind eher Einkehrzeichen, die zum Erkunden und Selberdenken einladen – und dazu, gemeinsam ein paar Schritte im Dunkeln zu tappen.


Zur Person:
Wolf von Waldow, geboren 1962 in Hamburg, studierte Kunstgeschichte an der Universität Hamburg und Industrial Design an der dortigen Hochschule für bildende Künste (Schwerpunkt Schmuckgestaltung, Diplom 1992). Nach Stationen in Rom und Amsterdam lebt er seit 2000 in Berlin. Er arbeitet heute hauptsächlich im Bereich Kunst-am-Bau.

Für seine Werkreihe "Laubsägearbeiten II" 1995 erhielt er ein Arbeitsstipendium der Kulturbehörde Hamburg. Seine erste Arbeit im öffentlichen Raum konnte er 1999 mit einem Mosaikboden für einen Neubau der SAGA-Hamburg verwirklichen. Es folgten umfangreiche öffentliche und private Aufträge, unter anderem für das Hotel Le Royal Meridien in Hamburg (Wandgestaltungen, Skulpturen, 2003), für die Ländernotarkasse, Leipzig (Wandgestaltungen, 2015), die Sporthallen Kniprodestraße, Berlin (Wettbewerb 1. Preis: Wandgestaltungen, 2016) oder jüngst für Glasgestaltungen im Neubaukomplex "Quartier am Dom" in Erfurt (2016-18). Im Dezember 2018 gewann er den 1. Preis in einem Wettbewerb für die Neuentwicklung von figürlichem Bauschmuck an teilrekonstruierten Fassaden am Alten Markt in Potsdam.

2003 vertrat er die Bundesrepublik Deutschland auf der 2nd Jilin Artfair of Wood Sculpture, Jilin-City, Volksrepublik China. In den letzten Jahren wurde er zu internationalen Kunstfestivals eingeladen, so 2016 zum “Process Space Art Festival”, Russe, Bulgarien und 2017 zum Kunstfestival “Ad ognuno la sua p ?arte” Villatalla, Ligurien.


Öffnungszeiten:
Donnerstag - Freitag: 17:00 - 20:00 Uhr
Samstag: 15:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: neuer-kunstverein-wuppertal.de

Refugee Camp, Foto: Wolf von Waldow
11.01. - 16.03.2019

Wolf von Waldow: Die Hand vor Augen

Neuer Kunstverein Wuppertal e.V.

Hofaue 51
42103 Wuppertal