Beim Anblick eines Objektes in der Realität passiert etwas. Etwas, das sich anders anfühlt als das, was ausgelöst wird, wenn wir ein Bild des gleichen Objektes online betrachten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellten wir fest, dass winzige Begebenheiten unserer Welt nicht den Newton’schen Gesetzen folgen: Die Anwesenheit des Beobachters kann das Objekt verändern. Und das Licht, jenes Element, das uns die meisten Dinge erst wahrnehmbar werden lässt, ist laut Planck-Skala selbst stark genug, um die Realität gänzlich zu verändern.

Die Installation von Alexis Myre für den Neuen Kunstverein Wuppertal besteht aus verschiedensten Materialien und betont deren biologische Realität und die unterschiedlichen Zustände radioaktiven Zerfalls. Fäden, Metalle, Filz, Porzellan, Plexiglas, Licht und Samen (selbst Einheiten des Lebens) bilden eine Umgebung, die der natürlichen Welt anmutet. Einzelne Objekte sind miteinander verbunden, es entsteht ein direkter Austausch zwischen ihnen; ein visuelles System aus sprachlichen Elementen.

Es herrscht der gegenwärtige Glaube, dass das Internet – wie ein Kind Zeus’ – immun gegen das biologische Schicksal organischer Materie ist. Bilder im Internet sind nicht dazu gedacht, eines Tages zu verfallen. Sie existieren außerhalb unserer eigenen Grenzen in einem Zustand gottähnlicher Dauer. Wir glauben an das Internet und werden mehr und mehr von ihm und seiner Unsterblichkeit abhängig. Denn das Kommunikationssystem, das es uns bietet, ist tiefgründig. „The internet is forever“ – „Das Internet ist für immer“; so lautet das Mantra dieses neuen Glaubenssystems. Anstelle unendliche Beständigkeit zu versprechen, bietet diese Installation dem Betrachter kleine Momente von haptischer, greifbarer Bedeutung und Verbindung.

Jedes der Kunstwerke von Alexis Myre ist ein kleines Universum für sich: eine Sphäre, in der natürliche Materialien, geometrische Muster und symbolische Bezüge aufeinandertreffen. Diese Elemente sind in mathematische Systeme eingebunden, in denen Nadeln, Fäden, Skulpturen und Bleistiftlinien jeden Gegenstand und seine Beziehungen darstellen – es entsteht ein Mikrokosmos aus Ordnung und Einfluss. Myre studierte Mathematik, bevor sie das California College of the Arts mit einem Schwerpunkt in Schmuck- und Metallkunst abschloss. Sie erhielt das Windgate-Stipendiat und hat an verschiedenen Künstlerresidenzprogrammen teilgenommen, unter anderem in Indien, New Mexico, Maine und Houston, USA. Myre arbeite für verschiedene Projekte mit der Malerin Pat Steir, der Dichterin Anne Waldman und dem Filmemacher Ed Bowes zusammen. Ihre Mixed-Media-Skulpturen, Zeichnungen und Wandarbeiten und ihr Schmuck wurden an verschiedenen Orten in New York City, Brooklyn, Baltimore, Houston, San Francisco und Indien gezeigt. Myre lebt und arbeitet derzeit in Brooklyn, New York.


Öffnungszeiten:

Donnerstag - Freitag: 17:00 - 20:00 Uhr
Samstag: 15:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: neuer-kunstverein-wuppertal.de

Installationsaufbau, 2019, Foto: Alexis Myre
10.05. - 15.06.2019

Alexis Myre: The Internet Is Forever or so I’ve Been Told

Neuer Kunstverein Wuppertal e.V.

Hofaue 51
42103 Wuppertal