Reliefs an Fassaden, Brunnen, Brücken- und Platzgestaltungen, freistehende Skulpturen und Denkmäler schmücken und gestalten vielerorts den Stadtraum Mülheims.

In seiner ersten Ausstellung im MUSEUM TEMPORÄR reflektiert das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr über das Medium der Fotografie die Kunst im öffentlichen Raum. Gezeigt werden Dokumentarfotografien von Ralf Raßloff (*1965 Mülheim a. d. Ruhr) und Walter Schernstein (*1956 Mülheim a. d. Ruhr), die als Aufträge bzw. als Stadtfotografien entstanden sind. Ergänzt werden sie durch Fotografien aus den Beständen des Medienkompetenzzentrums im Medienhaus.

Dass die Kunst im öffentlichen Raum als gestaltetes und gestaltendes Element vielfältige Bezüge zum Umfeld aufweist, verdeutlicht die Fotografie besonders eindrucksvoll. Einzelne Kunstwerke sind über längere Zeiträume aus unterschiedlichen Perspektiven erfasst, so dass Veränderungen sichtbar werden. Somit geben die Aufnahmen auch einen Einblick in verschiedene Stadien der Stadtentwicklung.

Vielfach sind die Kunstwerke im öffentlichen Raum auftrags- und zeitgebunden und an verschiedene Phasen der Stadtentwicklung gebunden. Als künstlerische Gestaltungen einer Zeit künden sie ebenso wie architekturhistorisch wichtige Gebäude von Zeitstilen, Präferenzen, Visionen und Programmen. Im Zuge des Umbaus Mülheims zur Handels- und Einkaufsstadt sind in den 1970er-Jahren markante, stadtbildprägende Platzgestaltungen von Otto-Herbert Hajek (1977) und Ernst Rasche (1974) realisiert worden.

Eine vorläufig letzte Blütezeit erfuhr die Kunst im öffentlichen Raum 1992 im Rahmen der MüGa, für die landschafts- und architekturbezogene Werke, wie Robert Schads Brunnenskulptur „Mülheimer Gruppe“, entstanden sind.

Im Zuge eines rasanten Veränderungs- und Modernisierungswillens gestaltet sich der Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum zunehmend schwierig: Pflege und Erhaltung der Werke sind aufwändig; durch Stadtumbauten und Abrisse gehen architektonische Bezüge und Kontexte verloren. Damit manches Werk nicht ganz verschwindet, stellt sich die Aufgabe immer wieder neu, Standorte zu finden, die dem Wesen des Werkes gerecht werden. Wie schwierig sich die Suche gestalten kann, verdeutlicht die Diskussion um den 1988 gestifteten Brunnen von Eva Renée Nele Bode (1988).

Diese Ausstellung, die sich als Bestandsaufnahme versteht, fragt über die Fotografie auch, wie sich Umgestaltungen und andere Eingriffe auf die Wahrnehmung einzelner Werke auswirken.

Als Einführung in die Thematik bereitet die Ausstellung die StadtKunstTouren vor, die im März beginnen und sich den Originalen vor Ort widmen werden.