Ein Gemälde von Anton Graff wird restauriert

Dank der großzügigen Schenkung des Sammlers Christoph Müller an die Nationalgalerie ergänzt das Porträt der Henriette von Carlowitz fortan den hochrangigen Sammlungsbestand an Gemälden Anton Graffs. Das 1772 entstandene Gemälde des führenden deutschen Porträtisten der Aufklärung verbindet einen zugleich intimen wie auch repräsentativen Charakter. Nach einer umfassenden, zweijährigen Restaurierung präsentiert die Kabinettausstellung in der Alten Nationalgalerie Graffs Gemälde erstmals der Öffentlichkeit und zeigt auch die ausgiebig erforschte Geschichte hinter dem Objekt.

Die Ausstellung vermittelt durch umfangreiches Bildmaterial die verschiedenen Restaurierungsschritte und macht die spannende Spurensuche anhand von historischen Quellen und Vergleichsobjekten nacherlebbar. Neben der Präsentation des Hauptwerks ist sie in fünf Themenbereiche gegliedert: Maltechnik, Restaurierungsgeschichte, Provenienz und die jüngste, in der Alten Nationalgalerie durchgeführte Restaurierung. Das Kapitel der Spurensuche stellt mehrere Einzeluntersuchungen vor, die Material und Technik näher beleuchten und die Objektgeschichte der Henriette von Carlowitz vervollständigen. So wird gezeigt wie maltechnische und naturwissenschaftliche Untersuchungen zusammen mit historischen Quellen Licht ins Dunkel einer Objektgeschichte bringen können. Ebenso werden Einblicke in einen Aspekt des Museumsalltags gewährt, der sonst im Verborgenen bleibt.

Dies wird etwa am Beispiel der Doublierung deutlich. Der königliche Hofmaler Graff porträtierte 1772 zunächst Henriette und 12 Jahre später ihren Ehemann Georg Heinrich von Carlowitz, dessen Bildnis heute in Breslau zu sehen ist. Die formatgleichen Pendants verbindet bis in die frühen 1930er-Jahre eine gemeinsame Geschichte, die sich auch in den durchgeführten Restaurierungen widerspiegelt: So wurden beide Leinwände von einer Hand doubliert und im Zuge dessen rückseitig beschriftet. Die Beschriftung enthält neben den Namen des Künstlers und der Porträtierten außerdem den Hinweis auf eine 1875 veröffentlichte Familienchronik. Spätestens 1931 wurden die Bilder getrennt, was über Auktionskataloge nachzuweisen ist. Damit lässt sich das Alter der Doublierung auf einen bestimmten Zeitraum eingrenzen. So kann das Material – in diesem Falle die Doublierung – Aufschluss über die Objektgeschichte geben und umgekehrt bieten Archivalien die Möglichkeit, frühere Überarbeitungen chronologisch zu ordnen.

Die konzentrierte Kabinettausstellung präsentiert neben dem Porträt der Henriette von Carlowitz die Familienchronik und die Auktionskataloge, zwei Klöppelspitzen, Pigmente und Rohstoffe sowie zahlreiche Reproduktionen von maltechnischen Details und Zwischenzuständen der Restaurierung. Ein Film veranschaulicht die Arbeiten am Gemälde während der Firnisabnahme.

Die Ausstellung ist zugleich der Beitrag der Alten Nationalgalerie zum diesjährigen Europäischen Tag der Restaurierung, in dessen Rahmen am 14. Oktober 2018 Sonderführungen angeboten werden.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 -  20:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum