Die Ausstellung WEST:BERLIN. Eine Insel auf der Suche nach Festland lockte von Herbst 2014 bis Sommer 2015 zehntausende Neugierige ins Museum Ephraim-Palais. In diesem Jahr, genau 30 Jahre nach dem Mauerfall, widmet sich eine Ausstellung dort der anderen Hälfte der Stadt: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt richtet nun den Blick auf das soziale und kulturelle Leben in der einstigen Hauptstadt der DDR – von Städtebau und Wohnen über Verkehr, Arbeit und Konsum, Mode, Freizeit und Kultur bis hin zu den städtischen Milieus und Subkulturen. Im Mittelpunkt stehen dabei – jenseits von Nostalgie und westlicher Distanziertheit – die vielfältigen Facetten des urbanen Lebens und der Alltag der Menschen von Ende der 1960er Jahre bis zur Wiedervereinigung 1990.

Die späte DDR-Gesellschaft war von vielen Widersprüchen geprägt, die im Alltag Ost-Berlins besonders deutlich wurden. Die DDR-Metropole war das Machtzentrum des SED-Regimes. Als Schaufenster des Sozialismus staatlich bevorzugt, besaß sie enorme Anziehungskraft und einen Hauch von Weltläufigkeit in der Enge der DDR. Zugleich bot Ost-Berlin Raum für Lebensentwürfe jenseits politischer Norm. Für Aussteiger aus der DDR war die Hauptstadt Sehnsuchtsort, West-Linke sahen in ihr eine Alternative, die politische Klasse und akademische Kreise machten hier Karriere.

Mit faszinierenden, teils erstmals gezeigten Originalobjekten, fotografischen Zeugnissen sowie Film- und Tondokumenten zeigt die Ausstellung, wie sich diese Widersprüche in der Stadt manifestierten und wie die Menschen damit umgingen. Als multimediale Entdeckungsreise führt sie in eine vergangene Stadt, deren Spuren im heutigen Berlin noch vielfach sichtbar, aber auch vom Verschwinden bedroht sind.

Ein umfangreiches Online-Angebot bietet ab Anfang März Informationen rund um die Ausstellung und darüber hinaus. Ein Fotoaufruf lädt dazu ein, sichtbare Spuren Ost-Berlins in der heutigen Stadt oder bildliche Erinnerungen an das alte Ost-Berlin hinzuzufügen. Ein Blog thematisiert aktuelle Bezüge, schaut hinter die Kulissen der Ausstellung und widmet sich Themen aus dem persönlichen Blickwinkel der Beteiligten.

Die Ausstellung wird über das Museum Ephraim-Palais hinaus in die Stadt hineingetragen. Gemeinsam mit den Berliner Regionalmuseen werden in der Reihe „Erkundungen vor Ort“ Veranstaltungen im Kontext von „Ost-Berlin“ in den Bezirken präsentiert. Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Lesungen, einer Filmreihe im Babylon, Diskussionen sowie einer große Revue an der Volksbühne Berlin begleiten die Ausstellung.

Eine gemeinsame Ausstellung des Stadtmuseums Berlin und des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF).


Öffnungszeiten:
Donnerstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag - Mittwich: geschlossen

WEitere Informationen direkt unter: stadtmuseum.de/ephraim-palais