Gestelle aus Stahl, die an einen Rumpf, eine Wirbelsäule oder an einen Kopf erinnern, Kleidung mit sorgsam versäuberten Löchern an Stellen, an denen wichtige Organe sitzen: die Besucherinnen undBesucher der Ausstellung von Eva Kot’átková (*1982 in Prag, lebt und arbeitet in Prag) können nicht umhin, in den großräumig installierten Objekten den menschlichen Körper zu vermuten. Die stählernen Konstruktionen der tschechischen Künstlerin haben eine beklemmende Wirkung. So wie sie den Körper andeuten, symbolisieren sie auch dessen Gefangenschaft. Kot’átková untersucht insbesondere dieWirkung von sozialen Normierungen auf die menschliche Physis und Psyche und macht diese, zumeist alltäglichen, Machtverhältnisse sichtbar. Die Künstlerin agiert dabei häufig an der Schnittstelle zum Theater. Ihre Installationen werden zur Bühne, wenn die Objekte durch Besucherinnen und Besucher, Kinder oder Performer aktiviert werden. Ihr Interesse gilt dabei besonders den sozial oder politisch engagierten Formen des darstellenden Spiels, wie beispielsweise dem Theater der Unterdrückten, eine Methode des Brasilianers Augusto Boal (1931-2009), mit der die passiven Zuschauerinnen und Zuschauer zum aktiven Handeln aufgefordert werden sollen. Kern ihrer künstlerischen Praxis sind jedoch die Zeichnungen und Collagen, mit denen sie ebenso die Machteinwirkungen auf den Menschen, wieauch dessen Selbstfindung ergründet. Kot’átkovás Arbeiten wurden weltweit in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt, darunter: Metropolitan Museum of Art, New York (2018); White Cube, London (2017); Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (2014); Schinkel Pavillon, Berlin (2014).