Ein großer textiler Grund, bunt oszillierend, mal folkloristisch durchmustert in seinen Details, an einigen Stellen akzentuieren einfarbige Strudel die Fläche. Unterstützt wird dieses vibrierende, stoffliche Rechteck im Ausstellungsraum um weitere kleinere Teppiche, die in ihrer Machart ähnlich, jedoch stärker von einer Farbe dominiert sind.

Mit ihren erstmals in Deutschland gezeigten Arbeiten bewegt sich Hellen Nabukenya (*1983) an der Grenze von Kunst und traditionellem Kunsthandwerk: Sie fertigt aus afrikanischen Stoffen Teppiche, Kleidung und Accessoires. Die Entwürfe ihrer raumgreifenden Installationen aus Alttextilien für den Innen- und Außenraum werden von einer Gruppe von Frauen nähend und knüpfend realisiert. Diesem weiblichen, produktiven Kollektiv vermittelt(e) die Textilkünstlerin zuvor die Kunst des Schneiderns, so dass diesen Frauen buchstäblich die Möglichkeit des eigenständigen Gelderwerbs und somit eine Strategie der Selbstermächtigung an die Hand gegeben wurde.

Nabukenyas Arbeiten machen dem Betrachter ein Angebot: „TUWAYE – Let’s talk“. Sie laden ein, den Gesprächsfaden aufzunehmen, sich tatsächlich nieder- bzw. einzulassen auf die weiblichen Lebensgeschichten, mit denen die Teppiche durchwirkt sind. Der deutsche Maler Matthias Körner arbeitet seit 2005 immer wieder mit der Künstlerin Nabukenya zusammen, ab 2013 rückte der künstlerische und dokumentarische Film in den Fokus seines Interesses. Für diese Präsentation hielt er exemplarisch den Lebensalltag ugandischer Frauen in Ton und Bild fest; mittels dieser Dokumente wird der soziokulturelle Aspekt der Arbeiten Nabukenyas beleuchtet.

Die Schau „Hellen Nabukenya: TUWAYE – Let’s talk“ reiht sich zusammen mit den Ausstellungen „Königsland. Alexander Janetzko / Matthias Körner“ sowie „Florence Lazar. Was wärst du ohne mich?“ in eine Serie von Expositionen ein, die sich Fragen des (post)kolonialen Blicks, Strategien der Selbstermächtigung und Konzepten der Verschiedenheit widmet.

Biografie:
1983 in Jinja, Uganda geboren, lebt und arbeitet in Kampala. Nach ihrem Studium an der Kyambogo University in Kampala (2007: Abschluss in Textildekoration und Styling) gründet Hellen Nabukenya das Art Punch Studio mit, ein Atelier und Ausstellungsraum in Kampala. Ihre Arbeiten wurden bisher in Dänemark, Frankreich, Südafrika und Uganda ausgestellt.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: blmk.de

Hellen Nabukenya, Cyetuva (woher wir kommen), Detailfoto, 2015-2018, Textilreste, Sisal, © Künstlerin
23.03. - 12.05.2019

Hellen Nabukenya: TUWAYE – Let’s talk

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst - Dieselkraftwerk

Uferstraße/Am Amtsteich 15
03046 Cottbus