Rollomalerei, Künstlerbücher und Künstlerplakate aus der Sammlung des BLMK

Die Ausstellung untersucht, von den eigenen Sammlungsbeständen ausgehend, die vielschichtigen Aspekte jener seit Ende der 1970er-Jahre, oftmals quer zu den kulturellen Maßgaben in der DDR entstandenen Werke. Gleichzeitig wird deren Fortleben in der Kunst Ostdeutschlands punktuell vorgestellt. Mit über 180 Werken präsentiert die Schau ein erstaunliches Panorama ostdeutscher Positionen. Sie verdeutlicht, wie die drei künstlerischen Medien zusammenhingen und sich gegenseitig befruchteten.

Ein Schwergewicht dabei bilden die im Bestand befindlichen Faltpapierrollos von bekannten Künstler*innen wie Micha Brendel, E.R.N.A., Günther Hornig, Dieter Ladewig, Max Uhlig, Gudrun Trendafilov oder Claus Weidensdorfer – größtenteils in den 1980er-Jahren geschaffen. In der „Mangelrepublik“ DDR blühte ein Erfindungsreichtum, der letztlich auch zum Papierfaltrollo führte. So waren die künstlerischen Aufbrüche in der ostdeutschen Kunst ab Mitte der 1970er-Jahre geprägt von einem teils vehementen Zugriff auf einfache, unkünstlerische, „arme“ Materialien. Die Verwendung grober Malgründe wie Sack- und Fotoleinen, Landkarten, Wellpappe oder Packpapier lässt sich ab Ende der 1970er-Jahre vielfach beobachten.

Die Besonderheit der großformatigen Rollomalereien liegt im exemplarischen Ausdruck jenes Zeitgeistes. Im neoexpressiven Aufbruch veränderte er die ostdeutsche Kunstlandschaft, nicht zuletzt in Cottbus selbst, im letzten Jahrzehnt der DDR nachhaltig. Dabei ging es natürlich nicht allein um den materiellen Grund – sondern genauso um das Verlassen der rahmenbegrenzten Bildtafel selbst, hin zum offenen Bild, zur raumgreifenden Bild-Installation. Nicht das Papier als Malgrund allein, sondern die Ungeduld der Künstler*innen mit den vorherrschenden wie einengenden Kunstmaßgaben, wurde entscheidend.

Das Cottbuser Museum war eines der ersten in der DDR, das 1988 Künstlerbücher – zumeist aus eigenen Beständen – in einer Kabinettausstellung präsentierte. Die damals begonnene Sammlung birgt eine Vielzahl jener kreativen Begegnung zwischen Maler und Dichter in selbstverlegten Büchern oder in Form des Buchobjektes. Nach dem politischen Umbruch wurden die künstlerischen Buchwerke u. a. mit der Ausstellung „Zwischen den Seiten“ (1992) umfassend der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Auch Künstlerplakate in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen bereichern seit Begründung der Plakatsammlung in Cottbus (ab 1979) kontinuierlich die Bestände. Hier offenbart sich ein Erfindungsreichtum, der die oftmals begrenzten Mittel spielend hinter sich lässt und vielfach mit den Drucktechniken experimentiert.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: blmk.de

Sabine Herrmann, o. T. (Kniende), 1989, Mischtechnik auf Papierfaltrollo, © VG Bild- Kunst, Bonn 2019
18.05. - 21.07.2019

Papier ist (un)geduldig.

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst - Dieselkraftwerk

Uferstraße/Am Amtsteich 15
03046 Cottbus