Mit Tim Etchells, Sissel Tolaas, Tamara Grcic, Søren Lyngsø Knudsen, Žilvinas Kempinas und Isabel Lewis.

Um in die Zukunft zu schreiten, muss man wissen, wo man im Heute steht. Um sich in Relation zu setzen, muss man Position beziehen. Um sichtbar zu werden, muss man auffindbar sein. Durch Triangulierung kann mittels Bestimmung des Abstands zu zwei anderen Positionen eine dritte ermittelt werden. Diese Methode erlaubt es Fledermäusen sich mittels Schall zu orientieren und hält selbstfahrende Autos in der Spur. Die zugrunde liegende Figur, das Dreieck, ist eine der elementaren und stabilsten geometrischen Formen. Sie findet sich auf nahezu allen Ebenen unserer materiellen Welt wieder, vom Molekül bis zur Architektur.

Diesem Bild folgend, treffen bei Between Us mit der Kunsthalle Mainz, tanzmainz und Motion Bank drei unterschiedliche Partner kooperativ aufeinander. Indem Wissen von einer Disziplin in die andere wandert, übertragen und übersetzt wird, entstehen nicht nur neue Bindungen, sondern dieses Wissen selbst kann auch neu verortet und betrachtet werden. Between Us ist ein interdisziplinäres Projekt, das Bildende Kunst, Tanz, Tanzforschung und -vermittlung über Fragestellungen des Austauschs von Wissen mithilfe neuer digitaler Möglichkeiten zusammenbringt.

Die Basis dieser Kooperation bildet eine für Between Us entwickelte Choreografie des finnischen Choreografen Taneli Törmä, die ebenso wie deren digitale Übertragung mittels Videoaufzeichnung, Annotation und Motion Capture Verfahren den internationalen Gegenwartskünstler*innen Tim Etchells, Tamara Grcic, Žilvinas Kempinas, Søren Lyngsø Knudsen, Isabel Lewis und Sissel Tolaas als Grundlage für neue Werke dient. Die Digitalisierung des Tanzes bildet auch den Ausgangspunkt für die Erforschung von Tanzerfassung und -vermittlung sowie dem Experimentieren mit den entstandenen Daten in einem

Choreographic Coding Labor. In der Kunsthalle Mainz verbinden sich schließlich Produktion und Ausstellung, Prozess und Aufführung, Erfassung und Vermittlung. Sie zeigt und öffnet einerseits den Prozess und die Ergebnisse einer einzigartigen Zusammenarbeit, bildet andererseits einen lebendigen Ort des Erfahrens und Erforschens.

Welche Konzepte lassen sich von einer in die andere Disziplin übertragen und was reflektiert von dort zurück? Wie können choreografische Strukturen und deren Digitalisierung Einfluss auf die Bildende Kunst nehmen? Welcher Mittel, welcher Sprache bedarf es, um diese Übertragung zu ermöglichen? In drei Disziplinen, drei Ansätzen, drei ästhetischen Formaten geht Between Us der Übertragung und der Umwandlung von Informationen nach. Dies geschieht auf struktureller, aber ebenso auf inhaltlicher Ebene. Das Projekt bildet nicht nur Übermittlungsprozesse und die permanente Neuformulierung von Informationen ab, sondern auch, was übrig bleibt, wenn ein Motiv verschiedene Münder, Ohren, Köpfe, Körper, aber auch Gattungen durchläuft und was mit den einzelnen Sparten innerhalb interdisziplinärer Kooperationen passiert. Die Annäherung an die Materie mittels des Tanzes ermöglicht dabei einen besonders augenfälligen und direkten Zugang. Etwas, das in einem Körper passiert, setzt sich nach außen in Form einer Bewegung fort. Im nächsten Schritt überträgt diese sich: Die Bewegung wird aufgegriffen, weiterverarbeitet, löst Nachahmung, Reflex, Widerstand oder gar eine Gegenbewegung aus. In welcher Disziplin könnte man besser beobachten, wie sich ein Impuls entfaltet, als im Tanz, der sich aus der menschlichen Bewegung speist? Von dort setzt er sich fort – in die Wissenschaft und in die Bildende Kunst. Doch wie in allen Austauschprozessen spielen auch hier die individuelle Wahl und die Gewichtung der Aspekte die entscheidende Rolle. Rhythmus, Tempo, Distanz, Bewegungsart, -sequenz oder -komposition sind nur einige Elemente der Choreografie, die von den bildenden Künstler*innen in ihren Werken aufgegriffen und transformiert werden.


Kunsthalle Mainz
Die Kunsthalle Mainz ist die erste Adresse für Gegenwartskunst in Mainz und Rheinland-Pfalz. In drei bis vier Wechselausstellungen pro Jahr zeigt sie Großmeister und Newcomer der aktuellen Kunstproduktion. In Einzel- wie Gruppenausstellungen bringt sie künstlerische Positionen zusammen, die gesellschaftlich und politisch relevante Themen der Gegenwart verhandeln. In den vergangenen Jahren waren dies u.a. Ed Atkins, Bruce Nauman, Daniel Buren, Rabih Mroué und Lara Favaretto. Sie befindet sich damit am Puls der Zeit und bildet einen Gradmesser gegenwärtiger Entwicklungen. Die Kunsthalle Mainz hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mainz als festen Standort für internationale Kunst zu etablieren und dabei überregional wie international Beachtung zu finden. Sie versteht sich als Ort der lebendigen Auseinandersetzung, des Experiments und der dialogischen Diskussion. In Rundgängen, Workshops und Vorträgen vermittelt sie die Relevanz von Kunst, deren sinnliches Potential sowie Wirken auf die individuelle Wahrnehmung und die Gesellschaft.


tanzmainz / Staatstheater Mainz
tanzmainz ist das zeitgenössische Tanz-Ensemble des Staatstheater Mainz und wird seit 2014 von Honne Dohrmann geleitet. Ein Team von Managementkräften, Probenleiter*innen, Trainer*innen und Tanzvermittler*innen arbeitet an der Seite der 20 Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles; sie werden von Guy Weizman, dem Hauschoreografen, beraten. tanzmainz versteht sich als „Place of Creation“. Im Repertoire des Ensembles befinden sich ausschließlich zeitgenössische Kreationen, die gemeinsam mit dem Mainzer Ensemble erarbeitet wurden. Es werden Aufträge für Uraufführungen an ausgewählte Choreograf*innen großer stilistischer Bandbreite vergeben. Das Ensemble unterstützt die

Choreograf*innen aktiv in ihrem kreativen Prozess. tanzmainz hat das Ziel, durch größtmögliche Offenheit künstlerische Synergieeffekte zu erzielen und diese für die Entwicklung neuer choreografischer Konzepte einzusetzen. Das Ensemble versteht sich als Brücke zwischen Repertoiretheater und freier Szene, das Schaffen von Netzwerken und Kooperationen spielt deshalb eine wichtige Rolle in der künstlerischen Entwicklung der Company. Dem Ensemble ist es seit dem Neubeginn in 2014 gelungen, eine große Begeisterung für den zeitgenössischen Tanz in Mainz und der Region zu wecken.


Motion Bank / Hochschule Mainz – University of Applied Sciences
Das Motion Bank Projekt wurde ursprünglich von der renommierten Forsythe Company zur Fortführung ihrer Bestrebungen zur Dokumentation und Vermittlung von Tanzwissen („Choreographic Thinking“) in Kooperation mit internationalen Partnern und Künstlern initiiert. Es konnte in einer ersten Forschungsphase (2010–2013) mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes, des Landes Hessen und weiteren Förderern zu einem der zentralen Forschung-Projekte rund um die Digitalisierung, Anreicherung und Vermittlung von zeitgenössischem Tanz werden. Seit 2016 ist es an der Hochschule Mainz – University of Applied Sciences am Fachbereich Gestaltung angesiedelt und konnte sich dort dank der
erfolgreichen Einwerbung weiterer Förderungen und Kooperationen (u.a. mit der Pina Bausch Foundation, Codarts Rotterdam) zu einem kleinen Forschungszentrum mit eigenem Standort und Mitarbeitern entwickeln. Zentraler Kern der Forschung ist die Weiterentwicklung von Methoden und Systemen zur Erfassung, Anreicherung und Vermittlung von Tanz.


Eröffnung: Donnerstag, 14. März, 19:30 Uhr

Kunsthalle Mainz
15.03. - 16.06.2019

Between Us

Kunsthalle Mainz

Am Zollhafen 3-5
55118 Mainz