Der Kunstraum München freut sich, unter dem Titel „Darkness loves to hide“ erstmals eine Auswahl von Philipp Messners Magnet-Arbeiten (Objekte und Bilder) in einer Einzelausstellung zu präsentieren. Der in München lebende italienische Bildhauer Philipp Messner sucht und nutzt die unterschiedlichsten Werkstoffe, um seine Fragen aber auch Feststellungen zu Themen wie dem Wandel des Individualitätsbegriffs zu Beginn des digitalen Zeitalters (Stichwort: Kontrolle), der menschgemachten Veränderung seiner Umwelt (Stichwort: Anthropozän) oder der Brüchigkeit politischer Systeme (Stichwort: Populismus) eine adäquate, meist abstrakte Form zu geben. Diese Form kann transitorisch und fluide sein, wie seine Arbeiten mit künstlichem und koloriertem Schnee zeigen, sie kann in feste Strukturen eindringen, wie seine Einfärbungsproben von Gips und Marmor erkennen lassen oder sie kann monochrom-morphologisch die Gestalt vertrauter Gegenstände überziehen, wie seine Werkgruppe der Magnetarbeiten seit 2008 verdeutlicht. Diese letzte Gruppe umfasst verschiedene Fundobjekte wie Äste, Steine, Kisten, Lampen, Papier usw., die mit eine magnetisierten Material umhüllt oder partiell bedeckt werden und auf die Eisenpulver aufgebracht wird. Durch die magnetische Kraft wird der Eisenstaub an das Trägerobjekt gebunden, wobei die Anordnung und Ausrichtung der Späne das Kraftfeld vornimmt. Das Phänomen des Magnetismus selbst, der Effekt unsichtbarer Kräfte tritt zurück, wird von Messner genutzt, ohne den Reiz dieser Wirkweise zu strapazieren. Er sagt dazu:

Die Objekte bauen ein physisches Gravitationsfeld auf, das sich gleichzeitig in einer vom Eisenstaub flirrenden Oberfläche äußert. Die Magnetarbeiten sind Teil eines fortlaufenden Werkzyklus, der sich mit Fundstücken, Materialität, Oberfläche und Haptik sowie Aggregatszuständen von Werkstoffen befasst.

Die dunkle und semimatte Monochromie entdinglicht einerseits die umhüllten Gegenstände, verschiebt die Wahrnehmung ihrer ehemaligen Funktion in Richtung der Frage, wie sich das Ding außerhalb seiner Funktion und im Mantel einer neuen Oberfläche dem Betrachter gegenüber verhält. Andererseits entfalten die Arbeiten auch eine politische Dimension, indem die einende oberflächliche Konformität, die artifizielle Umhüllung des gleichmachenden Auftrags immer wieder vexierend auf das Darunter, den Ursprung und das Wesen des Objekts verweist. Messner schreibt dazu:

Die politische Dimension der Magnetarbeiten liegt in ihrer inhärenten Anziehungskraft/Gravitation und Schwärze, wie ein schwarzes Loch zieht es den Metallstaub an und lässt eine pelz/tierartige Oberfläche entstehen. Das Ding ist in einer konstanten Spannung ohne Anstrengung in einer vollen Zentralität und einer Art von Eigenleben. Es nimmt die Position des Kunstwerkes vollkommen auf, indem es ein Objekt der (visuellen) Aufmerksamkeit ist, gleichzeitig der materiellen Anziehung. Ihre Aktualität beziehen sie [die Arbeiten] aus sich selbst heraus und verweigern jegliche Aufgeregtheit. Die Oberfläche ist flirrend, pulverig, pixelig. Die Arbeiten sind das materielle Gegenstück zum Digitalen. Sie existieren innerhalb und außerhalb einer menschlichen Dimension.

Aus der Distanz berichtet uns die Form von der dienenden Patenschaft und Metamorphose des Untergrundmaterials, gleichzeitig entzieht sich der Charakter des Dinges, des Trägers auf eigentümliche, bisher ungesehene Weise. So changieren die Skulpturen im Bereich des Ungefähren und werden zu etwas Neuem, der mit Eisenpulver überzogene Ast wird in einen dritten Zustand überführt und öffnet sich dadurch ganz unterschiedlichen Lesarten von Natur und Technik – vereint er doch materiell beides, ergänzt um die Handlung des Produzenten Messner, die dort endet, wo das Material seiner physikalischen Bestimmung folgt.

Philipp Messner
20.02. - 24.03.2019

Darkness loves to hide

Kunstraum München

Holzstr. 10, Rgb.
80469 München