Mit u.a. Art & Language, Alice Attie, Robert Barry, Monica Bonvicini, Andrea Bowers, Guy Debord, Jason Dodge, Sam Durant, Elmgren/Dragset, Öyvind Fahlström, Astrid Klein, Jakob Kolding, Barbara Kruger, Kris Lemsalu, Chris Reinecke, Ad Reinhardt, Kay Rosen, Allen Ruppersberg, Superflex, Ron Terada, Marianne Wex

Mit Beginn der sozialen Medien hat sich unser Umgang mit Sprache immens verändert. Früher gab es im öffentlichen Raum noch die Zeitungsredaktion als Filter. Heute posten die Menschen alles in den sozialen Medien und geraten somit viel schneller in Gefahr, die Rechte anderer zu verletzen, ob durch Hate Speech oder sexistische Äußerungen. Soziale Medien haben zudem die politischen Kommunikationsstrukturen massiv verändert. Diese Veränderung wirkt sich einerseits in einer quantitativen Vervielfachung der Kanäle politischer Kommunikation aus, andererseits schlägt sie sich qualitativ nieder in der Art der Kommunikation sowie ihren Interaktionsmöglichkeiten.

Die Gruppenausstellung Political Poetry transferiert diese Frage nach der Veränderung der Sprache und den kommunikativen Aushandlungsformen in den Bereich der Kunst und fragt wie Künstler*innen mit Sprache umgehen, um politische und gesellschaftliche Behauptungen aufzustellen und wie sie diese einem Publikum kommunizieren wollen. Ausgangspunkt ist dabei u.a. die Arbeit von Monica Bonvicini, die dieses Projekt co-kuratiert. Die Künstlerin bringt eine Schriftkultur eigener Art hervor, ein Verhandeln mit unserer Umgebung, bei dem um Macht gerungen wird und sich Machtverhältnisse darstellen lassen. Sie legt die politischen Grundmauern des Raums und der Sprache als miteinander verkoppelte Instrumente zur Herrschaft über die Körper und das Sozialverhalten frei. Indem sich die Künstlerin hier auf ein kuratorisches Projekt einlässt, schärft sie die eigene Recherche und begibt sich in eine Diskussion über die Grenzen der eigenen Arbeit hinaus. Wenn man davon ausgeht, dass Kunst immer politisch ist bzw. jede Form von Behauptung politisch in der Intention oder der Rezeption ist, stellt sich die Frage, was für eine Art von Politik oder politischer Sprache die Arbeiten mit sich bringen.
In der Ausstellung geht es um eine Schriftkultur, die Konventionen in Kunst und Gesellschaft aufspürt und kommuniziert und die das Publikum herausfordert. Sprache ist ein rhetorisches Instrument, das Künstler in ihrer Argumentation strategisch über Form und Inhalt einsetzen, um eine Argumentation zu installieren, die gesellschaftliche Themen reflektiert. Sie übernimmt die Sprache der Politik und der Massenmedien, des Films und der Literatur, um die Konventionen, Klischees, Verhaltensmuster, festgefahrenen Meinungen und Tabus sichtbar zu machen, mit denen sich unsere Gesellschaft bequem gemacht hat. Dadurch ist sie in der Lage, gerade die politische Sprache aufzudecken und zu kommentieren. Die politische Sprache ist generell ein Kampf mit Wörtern um Wörter, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Wenn widerstreitende Kräfte in der Gesellschaft die Sprache für ihre Machtkämpfe öffentlich einsetzen, nutzen sie die Sprache politisch, denn so lässt sich Deutungshoheit über Sachverhalte gewinnen. In heiß umkämpften Zeiten, wie diesen, in denen es um Meinungsmacht geht und Machtverhältnisse durch das gesprochene Wort verschoben werden, gewinnt der künstlerische Umgang mit Sprache wieder zunehmend an Aktualität. Max Frisch schreibt dazu: „Der Künstler blickt um sich. Indem er den Redensarten der politischen Sprache eine andere Sprache entgegensetzt, die Sprache seiner Erfahrung, entlarvt er die Herrschaftssprache als Herrschaftssprache, als Trug-Sprache (...). In einer demokratisch verfassten Gesellschaft brauchen wir nicht nur ‚Gegen-Mächte‘ innerhalb der politischen Sprache, sondern wir brauchen außerhalb davon auch ‚Gegen-Positionen zur Macht‘. Erst in diesem Gleichgewicht vermag die Freiheit jene frische Luft zu bringen, die wir als Bürger zum Atmen brauchen.“ Es ist die Frage nach der einer Haltung, die hier im Mittelpunkt steht. Es kann bedeuten, über die Frage hinauszugehen, „Hat er/sie die Autorität, sprechen zu dürfen?" und sich stattdessen der Frage zu stellen, die den Moment markiert, in dem sich Fremde treffen: „Höre ich, was du sagst?".

18.05. - 21.07.2019

Political Affairs - Language Is Not Innocent

Kunstverein in Hamburg

Klosterwall 23
20095 Hamburg