Bundesweit wird in diesem Jahr das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum zum Anlass für zahlreiche Kulturveranstaltungen genommen. Die Idee des Bauhauses war es ab 1919, in einer weltoffenen Umgebung neue Lösungen für die Verbindung von Kunst und Handwerk zu finden. Das Ergebnis war eine neuartige Ästhetik, die weltweit bis in die heutige Zeit wirkt. Die Ausstellung „Das Bauhaus – Grafische Meisterwerke von Klee bis Kandinsky“ (24.2.-19.5.19) im Lindenau-Museum Altenburg widmet sich der Druckgrafik am Bauhaus und damit einem bisher wenig beachteten Aspekt dieser innovativen Gestaltungshochschule.

Im Herbst 1921 präsentierte Walter Gropius mit Lyonel Feininger, dem Leiter der druckgrafischen Werkstatt am 1919 gegründeten Staatlichen Bauhaus Weimar, eines der wichtigsten transnationalen Kunstprojekte nach dem Ersten Weltkrieg: Unter dem Titel „Neue Europäische Graphik“ luden sie die künstlerische Avantgarde Europas ein, je eine Druckgrafik zu einer fünf Mappen umfassenden Werkschau aktueller Kunst beizusteuern. Dem national ausgerichteten Kulturbegriff sollte die Idee eines kosmopolitischen Künstlerbundes entgegengehalten und gezeigt werden, wie eine transnationale Künstlergeneration an den Gedanken des Bauhauses teilhat. Außerdem verfolgte das Bauhaus mit dem Verkauf der Mappen das Ziel, seine finanzielle Situation zu verbessern. Sämtliche Druckgrafiken wurden dem Bauhaus von den beteiligten Künstlern geschenkt.

Dabei entstanden bis 1924 die Mappen I, III, IV und V mit Druckgrafiken vornehmlich deutscher, italienischer und russischer Künstler. Das Lindenau-Museum ist eines der wenigen Museen, die im Besitz aller vier edierten Mappen sind.

Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums werden alle Blätter der „Neuen Europäischen Grafik“ in einer Sonderausstellung präsentiert. Ergäntz werden sie durch drei weitere Grafikmappen von jeweils einem Bauhaus-Meister: Die Zwölf Holzschnitte von Lyonel Feininger, die zehn Holzschnitte umfassende Mappe Das Wielandslied der aelterenEdda von Gerhard Marcks und Georg Muches seltene Radierfolge Ypsilon – die kleine Satire auf die Weltanschauungdes Materialisten N. 

Insgesamt werden 83 Druckgrafiken verschiedener Techniken sowie einige Mappeneinbände präsentiert, darunter Arbeiten von Alexander Archipenko, Max Beckmann, Marc Chagall, Giorgio de Chirico, Jacoba van Heemskerck, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner und Paul Klee. Es handelt sich durchweg um Werke aus eigenem Bestand.

Ende 1951 oder Anfang 1952 erwarb der erst seit wenigen Monaten fest angestellte Direktor Hanns-Conon von der Gabelentz die vier Bauhaus-Mappen „Neue Europäische Graphik“für das Lindenau-Museum. Gabelentz, der bereits seit November 1945 als ehrenamtlicher Leiter der Sammlungen agierte, hatte sich das Ziel gesetzt, dem Museum neue Impulse zu geben. Indem er gezielt eine Grafische Sammlung aufbaute, deutsche Plastik und Malerei des späten 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne erwarb, vor allem aber auch die zeitgenössische Kunst wertschätzte, gab er dem Museum weitere Sammlungsschwerpunkte.

Die erste Mappe der „Neuen Europäischen Graphik“war den Bauhaus-Meistern vorbehalten, die dritte und fünfte Mappe waren deutschen Künstlern zugedacht, die zweite Mappe vornehmlich französischen Künstlern und die vierte Mappe Künstlern aus Italien und Russland. Nicht alles ließ sich bis 1924 so realisieren. Die vierte Mappe erschien mit weniger Blättern und die zweite Mappe blieb Fragment. Dennoch war es ein Projekt, das die Ziele des Bauhauses verkörperte. Es nimmt wenig Wunder, dass die Nationalsozialisten in ihren »Säuberungsaktionen« gezielt ganze Mappen zerstörten. Nur wenige sind heute noch vollständig erhalten, und umso bemerkenswerter ist es daher, dass vier vollständige Mappenwerke wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in das Lindenau-Museum gelangten.

Für die großzügige Förderung der Ausstellung, des Katalogs und des umfänglichen Begleitprogramms danken wir sehr herzlich der Thüringer Staatskanzlei, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkasse Altenburger Land.

Wassily Kandinsky, Komposition, 1922, Lithografie © Lindenau-Museum Altenburg/Lutz Ebhardt
24.02. - 19.05.2019

Das Bauhaus – Grafische Meisterwerke von Klee bis Kandinsky

Lindenau-Museum

Gabelentzstraße 5
04600 Altenburg