“I’m happiest when I’ve pushed the boat out so far I can wonder if it’s even mine anymore. This is important... getting the work to a place where it isn’t “me” any longer. As in, “Did I make THAT? It doesn't look like me, it doesn’t have my signature habits... where did that come from? OK, GOOD!”

Das Werk von Egan Frantz umfasst ein weitläufiges Spektrum künstlerischer Medien wie Installation, Skulptur, Design, Druck, nicht zuletzt aber Malerei auf Leinwand bzw. Variationen dieses tradierten Formats. Für seine Ausstellung Paintings im NAK fokusiert der Künstler ausschließlich auf Malerei, und zwar auf Malerei als painting as painting can: Mit Offenheit gegenüber dem Ausgang des Malvorgangs und, man kann sogar sagen, im Glauben an die Malerei als das, wozu sie fähig ist und das, wozu sie führt.

Jedes Bild erzählt eine Geschichte seiner physischen Herstellung sowie der komplexen intellektuellen Reise seiner Entstehung, worüber die die oft humoristisch anmutenden Bildtitel (in denen Fragen, Inspirationsquellen, wiederkehrende Sujets in Frantz Werk anklingen) jedoch hinwegtäuschen. Denken Sie einmal: Wo ich falsch liege, liegt das Bild richtig (Where I’m wrong the work is right), ein energetisches Gemälde das Frantz Signatur trägt, Formen, Blöcke oder Agglomerationen von 9 Zentimeter breiten Pinselstrichen, werden in ein vibrierendes Feld aus schwarzen und weißen Streifen gezwungen, wie von einer abstrakten Armatur gehalten – die Farben Gelb, Pink und Grün. Der Bildtitel ist ein Zitat des amerikanischen Dichters Jack Spicer aus dem Jahre 1965. Spicer widmete sich Techniken der Transmission (der Mitschrift von Nachrichten, die er behauptete von Außen zu empfangen) und richtete sich damit gegen den Schaffensmythos des Künstlergenies, der irgendwann in der Beatnik Ära von San Francisco mit den Wilden Jack Kerouac und Allen Ginsberg ausuferte. Ähnlich den besten Regeln des Philosophierens im antiken Griechenlands, oder wie in Stéphane Mallarmés Dichtung des Würfelwurfs, heisst Malen für Frantz dorthin zu folgen, wo Malerei hinführt, selbst wenn dies nicht die von ihm gewollte Richtung ist.

Im Buch der Postavantgarde malt Frantz somit das transformative Kapitel der postrationalen Malerei: Ja, alle irgendwie guten Bilder sehen am Anfang seltsam aus – schlechte auch! (Yes, any painting which is any good looks strange in the beginning — bad ones too!)
kommt schwachen Vergleichen zu Hilfe. Nein, es ist mir egal warum ich einen Friedhof gemalt habe (No, I don't care why I painted a cemetery) bietet eine andere Art der doppelten Negation: das große Format, christliche Grabszene in die spirituelle objektlose Kunst der Jahrhundertwende übersetzt ist beides, quasi Darstellung und quasi abstrakt. Ein kleines Kreuz auf einem Hügel, ist klar in die Szene gemalt, doch eine große Kreuzform ist auf die Szene gemalt. Die Wahrnehmung muss sich zwischen dem Innen und Außen des Repräsentationsfeldes bewegen um dieses Bild zu sehen, doch diese Irritation bedingt auch die Harmonie des Bildes. Ein heller weißer Mond wird von einer gelben Flamme umspielt, ein Toter wird erinnert und der Pinsel bewegt sich nach unten, nach oben, nach links und rechts.

Feuer taucht in dieser Ausstellung immer wieder auf, aber der Künstler gibt zu, dass er nicht weiß warum. Frantz sagte kürzlich:

„Ich bin am glücklichsten, wenn ich das Boot so weit rausgetrieben habe, dass ich nicht mehr sagen kann, ob es noch meins ist. So wie „Hab ich DAS gemacht? Das sieht gar nicht nach mir aus, es hat gar nicht meine typischen Merkmale... Wo kam das her? OK GUT!“

Bild für Bild, Akkumulation für Akkumulation, wie in Eins ist mehr als genug, zwei ist zu viele und drei ist nicht genug (One is plenty, two is too many, and three is not enough), findet man Zugang zu den Bildern dieser Ausstellung. Ein abgedroschener Witz über zu viel Alkohol kann sich auf die Probleme der Malerei ausweiten, auf Installationsstrategien und auf die Bedeutung, die wir ihnen zumessen. So wie ein guter Witz. Und da es keinen Spass macht einen Witz weg zu erklären, kann man in der Tatsache, dass Frantz dem Nichtwissen den Vorzug über künstlerische Sicherheit erteilt, eine Art steuerfreien Genuss für den Betrachter sehen – post Klugscheisser Intention.

Auf ähnliche Art liefert Van Der [sic], das größte und räumlichste Bild der Ausstellung, einen leeren Signifikanten, der entschlüsselt werden möchte – von [?] – aber wozu soll das führen? Es ist bekannt, dass Mies van der Rohe, ein gebürtiger Aachener, das „van der“ seinem Namen hinzugefügt hat, um seinen zukünftigen Schwiegervater zu beeindrucken. Rohe war der Name seiner Mutter und es schien ihm, dass von irgendwo her zu sein besser ist, als nur zu sein. Es hat für ihn funktioniert. Der Signifikant für Frantz, quasi der „Rohe“ zu seinem „van der“, oder die Frage nach der Herkunft dieser Bilder, wenn sie tatsächlich keinSelbstausdruck sind, ist ziemlich leer gelassen. Frantz interessiert sich nicht dafür, warum er einen Friedhof malt oder wo er herkommt, sondern für die Formen wie sie sind und wie sie werden. Zwischen sandigen Ebenen und wässrigen Lavierungen von Zinnoberrot und Karibischem Blau, verortet er seine Formen in Van Der [sic], mit einer Sorgsamkeit und Sinnlichkeit, die man nur mit einer Liebe zur Malerei in Verbindung bringen kann – und diesist kein Witz.

Einzelausstellungen von Egan Frantz (1986) fanden bisher bei Galerie Nagel Draxler, Köln / Berlin, Miguel Abreu Gallery, New York, C L E A R I N G, New York, Tomorrow Gallery, Toronto, Roberts Projects, Los Angeles, Tilton Gallery, New York, Michael Jon Gallery, Miami und Fused Space, San Francisco statt. Im September 2019 folgt eine Ausstellung bei Team Gallery, New York. Frantz war an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt, u.v.a. im Essl Museum Wien, in der Emily Harvey Foundation, New York, bei Andrew Roth, New York, bei James Fuentes, New York und bei der Bahamas Biennale, Detroit. Er lebt und arbeitet in Brooklyn, New York und Connecticut.

17.03. - 05.05.2019

Egan Frantz: Paintings

Neuer Aachener Kunstverein

Passstraße 29
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