Günter Fruhtrunk (1923 – 1982) gilt für die Ära des modernen Kunstschaffens der jungen BRD als einer der wichtigsten Künstler im Bereich der Konkreten Kunst. Günter Fruhtrunks Malerei war fortschrittlich, „demokratisch modern“, seine Kunst wirkt bis heute ästhetisch und kraftvoll.
Ihre Bedeutung ist mit der Bedeutung der Kunst von Barnett Newmann oder Frank Stella in den USA vergleichbar, Künstler, die dem Bild sowohl eine Konzentration nach innen als auch eine Erweiterung in den offenen Raum hinein verliehen haben. In diesem Sinne ist Günter Fruhtrunks Werk, das weder unter die Kategorie der Farbfeldmalerei noch unter die der Optical-Art subsumiert werden kann, fundamental. Es bewegt sich in einer eigenwilligen Balance zwischen optischer Energie und rhythmischer Komposition.

In der Sammlung Maximilian und Agathe Weishaupt, die im Bereich der konstruktiv-konkreten Kunst ihren Schwerpunkt hat, nimmt das Werk Günter Fruhtrunks eine besondere Position ein. Ein Konvolut von rund 20 Gemälden und weitaus mehr Grafiken befindet sich in der Sammlung. Die Bilder wurden aus ästhetischer Überzeugung heraus und einer großen Bewunderung des Architekten Maximilian Weishaupt für das künstlerische Schaffen von Günter Fruhtrunk, der immer wieder auch architekturbezogene Entwürfe verwirklichte, gesammelt.

Alle wichtigen Schaffensphasen des Künstlers, von frühen Gemälden aus den späten 1950er Jahren bis zum Spätwerk Anfang der 1980er Jahre sind vertreten. Die frühen Kompositionen aus schwebenden Elementarformen entstanden in der Auseinandersetzung Fruhtrunks mit Delaunay und den russischen Konstruktivisten. Seine Einstellung zur Kunst schöpft aus dem anregenden Umfeld, das er in Paris in den Ateliers von Fernand Leger und Hans Arp hatte, wobei er letzteren als seinen wichtigsten Mentor bezeichnete. In den 1960er Jahren entwickelte er seine bekannten, sich in der Gesamtfläche des Bildes ausbreitenden Strukturen aus scharf kontrastierenden Farbbändern. Diese diagonal und orthogonal gesetzten Gefüge rhythmisieren die Bildfläche in unterschiedlichen Abschnitten und Lesarten und drängen in ihrem Verlauf über die Bildgrenzen hinweg. Der mit ausgesuchten Farbtönen gesetzte Farbklang, in dem farbige, schmale Randlinien optisch vibrieren, erzeugt unterschiedliche Stimmungen. Durch den wechselnden Figur-Grund Austausch, gegenläufige Bewegungen als auch in der Dialektik von aktueller Begrenztheit und potentieller Entgrenztheit ist „...er (der Betrachter) dem, was er sieht, einfach ausgesetzt, er kanndas, was er sieht nicht endgültig bewältigen.“ (Max Imdahl). In der Sammlung sind Hauptwerke aus den 1960er und 1970er Jahren zu sehen. Günter Fruhtrunks Spätwerk seit 1974 kennzeichnet die proportionale Ausdehnung der als Farbbahnen gesetzten Farbfelder und einer Integration von dynamischen malerischen Strukturen im Sinne eines nachvollziehbaren Aktes der Malerei. Die Grafiken der Präsentation zeigen vielfältige Variationen der Grundthemen.

Der Dank des Hauses gilt Agathe Weishaupt, die bei ihrem Besuch anlässlich der Ausstellung von Klaus Staudt Anfang letzten Jahres mit Burkhard Leismann eine mögliche Ausstellung der Werke von Günter Fruhtrunk ins Auge gefasst hat. Ihr Blick hat damals bereits ein potentiell gelungenes Zusammenwirken der Architektur des Kunstmuseums Ahlen mit den Bildern Günter Fruhtrunks erkannt, die wir nun mit dieser Ausstellung realisieren konnten und aktuell erleben dürfen.


Öffnungszeiten:
Mittwoch - Freitag: 14:00  - 18:00 Uhr
Samstag - Sonntag (Feiertage): 11:00 - 18:00 Uhr
Montag - Dienstag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstmuseum-ahlen.de

10.03. - 19.05.2019

Günter Fruhtrunk. Sammlung Maximilian und Agathe Weishaupt

Kunstmuseum Ahlen

Museumsplatz 1
59227 Ahlen