Im Jahr 2006 war Andreas Horlitz (1955 – 2016) im Kunstmuseum Ahlen mit einer seiner Kopiermontagen aus der Serie Palimpsest in der Ausstellung Diagnose Kunst, Medizin im Spiegel der Kunst vertreten, 2011 folgte dann mit EQUILIBRIUM eine Einzelausstellung mit den aktuellen Werkserien des Münchner Künstlers. Nach seinem frühen Tod im Jahr 2016, gelangte sein künstlerischer Nachlass, dem Wunsch des Künstlers folgend, ins Kunstmuseum Ahlen.
Dr. Stephan Trescher, der seit Dezember 2018 als neuer stellvertretender Leiter im Kunstmuseum Ahlen tätig ist, hat mit Andreas Horlitz -Reflection eine erste Rückschau aus dem Nachlass kuratiert, die in den Räumen der alten Villa Hauptthemen und verschiedene bildnerische Medien von Andreas Horlitz präsentiert. Neben großen Leuchtkästen sind Glas- und Spiegelarbeiten zum Thema Porträt und Kopiermontagen aus verschiedenen Serien zu sehen. Als durchgängiges Thema der gesamten Ausstellung lässt sich, so Stephan Trescher, das Thema „Sehen“ verfolgen.

In der Serie LEXICON, die Andreas Horlitz seit 1987 als offenes Projekt fortführte, folgt der Künstler in Form eines Bildlexikons der Tradition der barocken Wunderkammern. Naturgegenstände und Menschengemachtes, alles, was er als staunenswert, exotisch, schön oder besonders erfahren hat, hat er mit einer äußerst präzisen Sachfotografie dokumentiert. Jedem Motiv ist ein Leuchtkasten zugeordnet, der durch Licht, mal weiß, mal in einer der Grundfarben, Rot, Gelb oder Blau erfüllt ist. „In Kombination mit der Leuchtkraft der lightboxes, ... durch die schiere Präsenz von Licht undFarbe, werden die Bildgegenstände geradezu überstrahlt und in eine ganz neue bildliche Balance gebracht. Während der Kasten als solcher zwar eine dreidimensionale Ausdehnung besitzt und so als räumliches Behältnis für den abgebildeten Gegenstand imaginiert werden kann, wird durch die völlig schattenlose und absolut plane Farbfläche jede Räumlichkeit negiert.“ (Stephan Trescher)

Auch in den flächigen Glasarbeiten von Andreas Horlitz spielt das Licht eine entscheidende Rolle. Das verwendete Material ist transparent, durchscheinend, opak und spiegelnd zugleich. Thematisch steht hier das Genre des Porträts im Vordergrund. Für die Serie AUTOPORTRAIT hat Andreas Horlitz vor allem Bildverfahren aus biologisch-medizinischen Bereichen genutzt, beispielsweise DNA-Kartierungen oder chronobiologische Untersuchungen seines eigenen Schlaf- und Wachrhythmus. Die Serie CONTERFEY, eine Reihe von Porträts auf platinverspiegeltem Glas, arbeitet mit klassischen Porträts. Die Vielschichtigkeit des sich in mehreren Ebenen aufbauenden Bildes wird zusätzlich durch die Spiegelebene und somit durch das Konterfei des Betrachters erweitert.

Ein dritter Bereich der Ausstellung widmet sich den sogenannten „Kopiermontagen“, einem vonAndreas Horlitz zu höchster Meisterschaft gebrachten Verfahren photographischer Doppelbelichtung. Wie bei Palimpsesten, Schriftstücken, die wiederbeschrieben bzw. überschrieben wurden, überlagern sich hier unterschiedliche Bildebenen. Fotografische Reproduktionen aus Kunst und Naturwissenschaft werden in RECONAISSANCE aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst, mehrmals kopiert, teils digitalisiert und in Kopiermontagen mit je einem Symbol oder Piktogramm überlagert. Der scheinbar erhellende Durchblick auf ein darunterliegendes Bildmotiv wird zugleich durch die dominierende grafische Struktur des Zeichens verhindert. Die sich durchdringenden Bildebenen stehen in keinerlei Sinnzusammenhang, sondern sind rein formal oder assoziativ verklammert.

Mit seinem sowohl gedanklich wie auch ästhetisch reizvollen Ansatz arbeitet Andreas Horlitz von der Fotografie herkommend auf konzeptioneller Ebene, indem er den Wirkungsraum und die klassischen Funktionen des fotografischen Bildes erweitert und hinterfragt.

Von 1976-1980 absolvierte er ein Studium der Visuellen Kommunikation und Fotografie in der damals Ton angebenden Klasse von Otto Steinert (1915-1978) an der Folkwang-Hochschule in Essen. Von dort gingen damals maßgebliche Impulse für die Fotografie in Deutschland aus, bevor es zum Aufstieg der Düsseldorfer Becher-Schule kam. Otto Steinert prägte den Begriff der„Subjektiven Fotografie“, die sich zugunsten des künstlerischen Ausdrucks und der freienfotografischen Gestaltung vom reinen Abbildcharakter löste.

Andreas Horlitz versteht sich Ende der 1970er Jahre als „Autorenfotograf“ (Klaus Honnef),
der in seinen Fotoessays weniger dokumentarisch arbeitet, sondern vielmehr autonome Bilder schöpft. Er stellt das Selbstverständnis der Fotografie als Abbild der Wirklichkeit infrage.
Die Kluft zwischen Bild und Wirklichkeit macht Horlitz in seinem Werk mit für die Postmoderne typischen Bildverfahren produktiv. In den folgenden Jahren werden seine Arbeiten zusehends umfassender, indem er Fotografie als Rohstoff benutzt, sie aus ihrem Kontext löst, isoliert, fragmentiert, mit Zeichen überblendet und solcherart neue, spannungsvolle Bildwelten konstruiert.


Öffnungszeiten:
Mittwoch - Freitag: 14:00  - 18:00 Uhr
Samstag - Sonntag (Feiertage): 11:00 - 18:00 Uhr
Montag - Dienstag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstmuseum-ahlen.de

10.03. - 19.05.2019

Andreas Horlitz: Reflection

Kunstmuseum Ahlen

Museumsplatz 1
59227 Ahlen