Der Bildhauer Josef Neuhaus (1923–1999) zählt heute zu den bekanntesten Vertretern der geometrisch-konkreten Kunst. Seine künstlerische Karriere begann er zwischen 1945–50 mit einem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf. In dieser Zeit entstanden zunächst figürliche Plastiken, bei denen sich Neuhaus noch stark am Menschenbild orientierte.
Nach seinem Abschluss arbeitete er als freischaffender Bildhauer in Neuss und Düsseldorf und wandte sich in seiner Kunst vermehrt der Abstraktion zu. So schuf er Skulpturen, die sich noch als organisch und figurativ erweisen, aber den menschlichen Körper auf stark abstrahierte Weise präsentieren.
Orientierte sich Neuhaus in seinem Frühwerk noch an künstlerischen Vorbildern wie Henry Moore oder Hans Arp, entwickelte er bereits kurze Zeit später seine charakteristische Formensprache: Seinem konkreten Stil folgend schuf Neuhaus viele Großplastiken für den öffentlichen Raum, wie beispielsweise den „Würfel“ (1974) im Stadtgarten hinter dem Clemens Sels Museum Neuss und die „Schleife“ (1996) als Stadteingangszeichen an der Neusser Stresemannallee. Neben diesen monumentalen Edelstahlskulpturen gestaltete Neuhaus auch kleinere Reliefs und Skulpturen aus Holz, die u. a. in der Kunsthalle Düsseldorf (1974), im Lehmbruck Museum in Duisburg (1980) oder im Clemens Sels Museum Neuss (1988) umfassend präsentiert wurden.
Dabei eint sowohl die monumentalen als auch die kleineren Werke stets ihr Ursprung im Sinne der geometrischen Grundformen: Quadrat, Rechteck, Dreieck und Kreis. Auch die bildnerischen Elemente wie Raum, Fläche, Volumen und Leere spielen in den präzise gearbeiteten, dreidimensionalen Objekten eine zentrale Rolle. Für die Farbgebung nutzte Neuhaus ausschließlich Weiß, da das Licht besonders auf einer weißen Fläche die gewünschten scharfen Akzente setzen könne. So bestimmen starke Kontraste zwischen heller und dunkler Fläche, hervorgerufen durch das Wechselspiel des Lichts auf den geometrischen Körpern, sein Werk.

Durch den veränderten Standpunkt zum Objekt und den steten Wandel des einfallenden Lichts eröffnen sich neue Blickwinkel und Perspektiven, die die Skulpturen von Neuhaus immer wieder neu und anders erscheinen lassen. In seinen schlicht und zurückhaltend anmutenden Skulpturen und Reliefs kreierte er in sich stimmige Welten aus Geometrie, Proportion und Rhythmus, die den Betrachter mit seiner Wahrnehmung von Wirklichkeit spielen lassen. Dabei konzentriert sich der Blick auf den Wechsel von Innen und Außen, Verschließen und Öffnen, Nähe und Weite. Dadurch werden Neuhaus Objekte zu „Sehgegenständen“, die sich jedweder inhaltlichen Interpretation und Symbolhaftigkeit entziehen.

Immer auf der Suche nach der objektiven, absolut idealen und reinen Form schuf Neuhaus Werke, die in ihrer Anmutung ähnlich zeitlos erscheinen wie ägyptische Pyramiden. Mit der Ausstellung „Die Form wahren. Skulpturen von Josef Neuhaus“ soll 2019 – 20 Jahre nach dem Tod des Künstlers – beispielhaft gezeigt werden, wie erstaunlich modern und zukunftsweisend sich seine Objekte damals wie heute erweisen. Aus diesem Anlass präsentiert das Feld-Haus in seiner einzigartigen und ebenso geometrisch reduzierten Kirkeby-Architektur eine Auswahl seiner Skulpturen und Reliefs aus der städtischen „Sammlung Kunst aus Neuss“.

„Ein Kunstwerk erklärt sich selbst. Warum also Erklärungen?
Was für die Augen bestimmt ist, kann nicht mit den Ohren aufgenommen werden.“
Josef Neuhaus


Öffnungszeiten:
Samstag - Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: clemens-sels-museum-neuss.de

Josef Neuhaus 413,8 KiB Farbfotografie des „Würfels“, 2016 Ort: Stadtgarten vor dem Clemens Sels Museum Neuss Foto: Martin Langenberg
24.02. - 27.10.2019

Die Form wahren. Skulpturen von Josef Neuhaus

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