Das Werk von Fritz Winter wächst auf dem geistig-ideologischen Boden des Bauhauses. Befreit vom Anekdotischen und Modischen bündelte dessen Gründer Walter Gropius in Weimar, unter dem Primat der Architektur, die Künste zu einem breiten Fächer von Skulptur bis Ballett.

Schon während des Studiums von 1927 – 1930 arbeitete Winter, ermutigt durch seine Lehrer Schlemmer, Klee und Kandinsky, selbstbewusst an der Transmission alles Irdischen in die Kraft der Farbe, der Linie und des Leuchtens, wie in dem Originalentwurf für das Museum Folkwang Essen, 1934, (Innenseite) oder in der „Metamorphose“, 1944, (Titelseite) zu sehen ist. Das Lebenswerk von Fritz Winter steht beispielhaft für die Kontinuität abstrakter Malerei in Deutschland, die von seinen Lehrern initiiert und von dem Meisterschüler, nach Schließung des Bauhauses 1933 durch die Nazis, in selbstständiger Kraft, trotz Ausstellungsverbot, Diffamierung als entarteter Künstler, Kriegsteilnahme, Verwundung und Gefangenschaft, weiterentwickelt wurde.

Als Winter 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, musste ein großer gesellschaftlicher Umbruch bewältigt werden, denn die Hirne und Herzen seiner Landsleute waren mehrheitlich indoktriniert. Fritz Winter hielt an der Reinheit seines geistigen Prinzips fest, das er als Farbleuchten durch die trüben Tage der Diktatur gerettet hatte. Er hat die Positionen der Kunst in den 50er und 60er Jahren weit über Deutschlands Grenzen hinaus entscheidend geprägt.

1955 konnte das Land Hessen den inzwischen vielfach ausgezeichneten und international anerkannten Künstler gewinnen, an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Kassel, der documenta - Stadt, zu lehren. In der Person Winters wollte man bewusst an die weitsichtige übernationale Gedankenwelt und Lehre des Bauhauses anschließen.

Das Leuchten der Farben und die Wandlungen, die Metamorphosen in den Bildern, sind die endlichen Voraussetzungen für die unendlichen Annäherungen im Streben nach Absolutheit der Aussage über den Sinn unserer Existenz, den Fritz Winter in all seinen Entwürfen an die Natur und die kosmische Schöpfung angebunden fand. In ihnen sah er alle Gestaltungselemente enthalten.
Friedhelm Häring


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Fritz Winter, "Metamorphose", 1944, Öl auf Leinwand, 130 x 110 cm, Copyright Fritz-Winter-Haus.
23.03. - 31.07.2019

100 Jahre Bauhaus. Fritz Winter – ein Meisterschüler

Fritz-Winter-Haus

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