Im Sommer 2019 verschmelzen im Zeppelin Museum Technik und Kunst zur transdisziplinären Ausstellung "Game of Drones. Von unbemannten Flugobjekten“.

Die Drohne ist eine Technologie mit ambivalenter Nutzung. Drohnen werden zur Überwachung, im Transport, in der Fotografie und in der Landwirtschaft eingesetzt. In Kombination mit Künstlicher Intelligenz gelten sie als die wichtigste Kriegstechnologie seit der Erfindung der Atombombe. Doch Drohnen sind als Spielzeug auch im Massenmarkt angekommen: 2017 waren 400.000 unbemannte Flugobjekte allein in Deutschland unterwegs.

„Als erstes Museum in Deutschland beschäftigen wir uns transdisziplinär mit dem Thema Drohne. Als Museum für Technik und Kunst drängte es sich geradezu auf, dieses Thema von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten“. Dr. Claudia Emmert, Direktorin des Zeppelin Museums.

In der großen Sommerausstellung im Zeppelin Museum werden sowohl die technische Entwicklung als auch der unterschiedliche Einsatz untersucht. Elf international renommierte Künstler*innen werfen dabei ethische Fragen auf, die besonders vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und militärischer Interessen reflektiert werden müssen.

„Es ist eine Technologie, die absolute Gegensätze vereint und daher vor allem auch aus künstlerischer Perspektive zahlreiche Aneignungsmöglichkeiten bietet. Die Künstler*innen der Ausstellung zeigen die Widersprüchlichkeit einer Technologie in all ihren Facetten auf: Vom Überwachungsapparat zum Instrument des Widerstands, vom animistisch beseelten Objekt bis hin zum Einsatz der Drohne in der strategischen Kriegsführung“. Ina Neddermeyer, Leiterin der Abteilung Kunst und Kuratorin der Ausstellung.

Als unsichtbare Technologien, die beobachten können und zugleich nicht gesehen werden, liegt ein zentraler Fokus der ausgestellten Exponate darauf, die Drohnen wieder in das Feld des Sichtbaren zurückzuholen. In acht unterschiedliche Bereiche gegliedert, werden die Themenschwerpunkte Animismus, Protest, feministische Aneignungen, Überwachung/ Gegen- überwachung, Krieg, Künstliche Intelligenz, die museumseigene Drohne „Claire“ und Drone Shadow im Außenbereich. Maßstabsgetreu werden dafür im öffentlichen Raum die Umrisse von Drohnen nachgezeichnet und technisch erklärt. Darüber hinaus werden Aspekte der Technikmystifizierung und des Animismus reflektiert: die Drohne als Akteur und beseeltes Objekt. Häufig als „männliche Technologie“ charakterisiert, setzen sich feministische Positionen verstärkt mit dem Objekt-/Subjektstatus der Drohnen auseinander. Deutlich wird, welchen großen Raum Drohnentechnologien bereits heute einnehmen und wie sie in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz unsere Zukunft entscheidend prägen werden.

Die Exponate reichen von Drachen, über Multicopter für zivile und militärische Anwendungen, bis hin zu Zieldarstellungs-, Kampf- und Aufklärungsdrohnen. Wie nutzen Naturvölker die Drohnen zum Widerstand, wie sieht Antidrohnen-Kleidung aus, was macht die Drohne zum spirituellen Wesen und wie lernt eine Drohne mit KI? Deutlich wird, dass unser Alltag immer stärker von automatisierten Maschinen bestimmt und von unbemannten Fluggeräten erfasst wird.

„Es sind sowohl zivil als auch militärisch genutzte Drohnen zu sehen. Beispielsweise eine Zieldarstellungsdrohe, wie sie heute in der Bundeswehr zu Ausbildungs- und Trainingszwecken verwendet wird. Medial thematisiert die Ausstellung aber auch zukünftige Tendenzen der Entwicklung und wirft einen Blick zurück in die Vergangenheit, denn unbemannte Flugobjekte und Drohnen gibt es bereits länger, als gemeinhin angenommen wird: schon Österreich setzte 1849 bei der Belagerung von Venedig unbemannte Ballone mit selbstauslösenden Bomben ein“. Jürgen Bleibler, Leiter der Abteilung Zeppelin und Kurator der Ausstellung.

Zur Ausstellung findet ein umfangreiches Begleitprogramm statt: Offene Kreativwerkstätten (#droneityourself #dronemeup #antidroneclothing #antidronemakeup), Vorträge, Screenings und eine interdisziplinäre Tagung beleuchten das Thema aus verschiedenen Perspektiven. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft.

Teilnehmende Künstler*innen: Ignacio Acosta, Korakrit Arunanondchai, Anohni, Frédérick A. Belzile, James Bridle, Gonçalo F. Cardoso & Ruben Pater, Omer Fast, Adam Harvey, Lawrence Lek, Martha Rosler, Raphaela Vogel

Zieldarstellungsdrohne ©Airbus Defence and Space GmbH
07.06. - 03.11.2019

Game of Drones. Von unbemannten Flugobjekten

Zeppelin Museum Friedrichshafen

Seestraße 22
88045 Friedrichshafen