„Unsere neue Ausstellung liegt mir sehr am Herzen“, gesteht Museumsleiterin Dr. Helga Gutbrod. Daran plant sie schon seit langem und berichtet, dass sie wegen der Museumssanierung schon zwei Mal verschoben werden musste. Doch nun ist „Ausgezeichnet! Hamburger Edwin-Scharff-Preisträger“ endlich vom 2. März bis 23. Juni im Edwin Scharff Museum am Neu-Ulmer Petrusplatz zu sehen. In der Ausstellung werden ausgewählte Werke von Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, denen vom Hamburger Senat der Edwin-Scharff-Preis verliehen wurde.

Damit werden in Neu-Ulm – wo der Bildhauer Edwin Scharff 1887 geboren wurde und wo sein Oeuvre in einem nach ihm benannten Museum gezeigt wird – erstmals Künstlerinnen und Künstler ausgestellt, die direkt in seiner Nachfolge stehen. Denn der Preis wird seit Scharffs Todesjahr 1955 jährlich für das Werk eines Malers oder Bildhauers vergeben, der in oder um Hamburg lebt und dessen Werke laut Satzung „unter dem Anspruch, den der Namensgeber des Preises setzt, Auszeichnung verdienen“.

Mit der neuen Sonderausstellung geht nicht nur Gutbrods Wunsch in Erfüllung, sondern es wird auch eine Lücke gefüllt: „Die Auszeichnung mit dem Edwin-Scharff-Preis ist zwar in Hamburg ziemlich bedeutend, im Süden ist sie aber kaum bekannt“, sagt die Museumschefin. „Indem wir zehn der bisher 84 Preisträger des renommierten Staatspreises zeigen, können wir gleich zwei Anliegen des Museums einlösen. Zum einen hoffen wir, damit den Scharff-Preis bekannter zu machen, und darüber hinaus wollen wir in der Ausstellung exemplarische Positionen zeitgenössischer Kunst zeigen.“

Stadtbild seine Werke, wie etwa die „Drei Männer im Boot“ an der Außenalster in Hamburg und auf dem Rathausplatz in Neu-Ulm. Der Edwin-Scharff-Preis wurde 1955, dem Todesjahr des Namensgebers, vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg gestiftet.

„Er war der Erste unter den Hamburger Künstlern, der Stolz unserer neuen Hochschule“, formuliert der Kultursenator 1955 in seiner Trauerrede für Edwin Scharff und benennt den im gleichen Jahr gestifteten Staatspreis für Hamburger Künstler nach dem von ihm verehrten Bildhauer. Er hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Klasse für Bildhauerei geleitet. Ausgehend von den erfolgreichen Schülern Scharffs, der direkten Scharff-Schüler Ursula Querner (1921–1961) und Manfred Sihle-Wissel (geb. 1934), dem letzten noch lebenden Schüler Scharffs, stellt die Ausstellung zehn Preisträgerinnen und Preisträger vor, die von Hamburg aus die internationale Kunstszene eroberten. Das Spektrum der Arbeiten reicht dabei von Malerei und Bildhauerei über Videokunst und Fotografie bis hin zu Minimal- und Konzeptkunst.

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Edwin Scharff Museum am Neu-Ulmer Petrusplatz werden anhand der Preisträger-Arbeiten verschiedene Positionen zeitgenössischer Kunst aufgezeigt. So werden beispielsweise szenische Fotografien von Anna und Bernhard Blume ebenso gezeigt wie „Objekten zum Benutzen“ von Wiebke Siem, um zu illustrieren, wie im Werk beider Künstler das surreale „Lebendigwerden“ von Alltagsgegenständen eine wichtige Rolle spielt. Hanne Darboven als bedeutende Vertreterin der Konzeptkunst wird sicht- und hörbar in ihrem „OPUS 26“. Sie erfand eine Methode, um das Vergehen von Zeit zu erfassen –in wandfüllenden Bildserien und in der Übersetzung ihrer mathematischen Sprache in Musik. Die plastische Arbeit des Bildhauers Franz Erhard Walther lässt als „Prozesskunst“ den Betrachter durch Interaktion Teil des Kunstwerkes werden. Museumsbesucher können darauf gehend oder stehend selbst zu Skulpturen werden und so das Werk mitgestalten. Darüberhinaus wird – neben Werken von Holger Matthies, Daniel Richter und Andreas Slominski - eine Rauminszenierung der aktuellen Edwin-Scharff-Preisträgerin Michaela Melián zu sehen sein. Sie greift mit ihrer audiovisuellen Rauminstallation eine gesellschaftspolitische Diskussion auf, die seit einiger Zeit viele Künstler im urbanen Raum umtreibt: Visionen zum Leben in der Stadt. Zwei der Künstlerinnen, Michaela Melián und Wiebke Siem, werden ihre Werke persönlich aufbauen.

Zur Ausstellung „Ausgezeichnet! Hamburger Edwin-Scharff-Preisträger“ erscheint eine Publikation im Auftrag des Edwin Scharff Museums, die erstmals die Geschichte des gut dotierten und renommierten Preises und seine Benennung nach Edwin Scharff nachzeichnet sowie alle 84 Preisträgerinnen und Preisträger seit 1955 vorstellt. Sie wurde von Dr. Friederike Weimar erarbeitet und von Edwin-Scharff-Preisträger Holger Matthies gestaltet. Dr. Friederike Weimar ist in Neu-Ulm keine Unbekannte, hatte sie doch schon 2014 die Ausstellung „Verglühte Träume: Werke junger Künstler, Opfer des Ersten Weltkrieges“ kuratiert.

Ein erster, kostenloser Blick in ist am Freitag, 1. März, um 19 Uhr bei der Vernissage möglich. Oberbürgermeister Gerold Noerenberg und Museumsleiterin Dr. Helga Gutbrod werden die Ausstellung eröffnen. Anschließend führt die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Friederike Weimar aus Hamburg, in die Ausstellung ein. Es haben auch Künstler zugesagt, zu kommen. Musikalisch umrahmt wird die Ausstellungseröffnung vom Pless Jazz Trio. Claudia Bertele, Gesang, Stefan Sigg, Flügelhorn, und Anton Heidenreich, Gitarre, werden auch zum Empfang mit Weinausschank spielen. Die Ausstellung wird von einem Rahmenprogramm mit Führungen, Kunst-Gesprächen mit Michaela Melián und Wiebke Siem, einer Museumswerkstatt für Schulen und Kindergärten vom 25. März bis 12. April, offenen Samstags-Ateliers und zahlreichen anderen Veranstaltungen ergänzt.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Mittwoch: 13:00 - 17:00 Uhr
Donnerstag - Freitag: 13:00 - 18:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: edwinscharffmuseum.de

Daniel Richter #385 (Ohne Titel), 2004 Öl auf Leinwand 50 x 40 cm © VG Bild-Kunst und der Künstler Foto: Jochen Littkemann, Berlin
02.03. - 23.06.2019

Ausgezeichnet! - Edwin Scharff Museum zeigt Hamburger Kunst-Preisträger

Edwin Scharff Museum

Petrusplatz 4
89231 Neu-Ulm