Die Langen Foundation zeigt mit Anne Pöhlmann eine Künstlerin, die mit den unterschiedlichen Sprachen und Modalitäten der Fotografie arbeitet und dabei Verfahren für ihre Arbeiten benutzt, die unserer Alltagskultur entstammen und Fotografie als Massenmedium definieren.
Anlässlich ihrer Einzelpräsentation im Japanraum der Foundation zeigt die Düsseldorfer Künstlerin Anne Pöhlmann eine Werkauswahl, die während ihres dreimonatigen vom Goethe Institut organisierten Stipendiums in Japan (2017) entstanden sind. Diese Arbeiten werden mit eigens für diese Ausstellung entwickelten neuen Wandarbeiten und installativen Arbeiten im Raum gezeigt. Die ortsspezifische Installation besteht dabei aus Fotografien, die auf Stoff gedruckt, zu Textilien gewebt oder mit unterschiedlichen gefundenen Textilien kombiniert werden. Die Künstlerin hat mit einer Vielzahl unterschiedlicher Materialien, wie japanischer Seide oder wiederverwendeten Modestücken aus ihrem persönlichen Archiv gearbeitet, die sie in ihre Praxis integrierte. Pöhlmanns Arbeiten stehen im offenen Dialog mit der einzigartigen Architektur des Baus des japanischen Architekten und Pritzker-Preisträgers Tadao Ando, indem sie mit geschlossenen Volumen und offenen Räumlichkeiten interagieren, um Geräusche und Stille zu verflechten und ein immersives Erlebnis zu schaffen.

Die Arbeiten in der Ausstellung, sowohl die Wand- als auch die installativen Bodenarbeiten, befassen sich mit einer Vielzahl von Motiven, die von Stadtarchitektur und Naturlandschaften über Porträts bis zu abstrakten Kompositionen reichen, wobei sie gleichzeitig Fragen nach den materiellen Bedingungen der Fotografie aufgreifen. Gefaltete und drapierte Fotografien und Fotostoffe werden als fließende architektonische Formationen präsentiert, bei denen das Bild mit seinem Träger verschmilzt. Der Titel „Japanraum“, bezieht sich auf den Namen, den Tadao Ando selbst dem Ausstellungsraum gegeben hat. Er weist auf das Konzept eines Kulturraums hin, den die Künstlerin aus erster Hand kennen gelernt hat, und dient ihr als wichtiger Referenzpunkt.
Pöhlmann beleuchtet neue Möglichkeiten der Auseinandersetzung des Westens mit der japanischen Kultur. Anstelle einer fernen und klischeehaften, entscheidet sich die Künstlerin für eine persönliche Auseinander- setzung der politisierten Beziehung der Fotografie zur japanischen Bildkultur. Die Künstlerin hinterfragt dabei den Status eines stillen Dokumentationsgeräts und nutzt die Kamera als ein subjektives Mittel. Ihre eigenen Erfahrungen und Erinnerungen wiederentdeckend, stellt Pöhlmann Fragmente aus einem persönlichen Blickpunkt zusammen und schlägt kritische Ansätze rund um die medialen Konditionen des fotografischen Bildes vor.

Anne Pöhlmann studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und arbeitet als freie Künstlerin. Ihre Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet und international in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Derzeit lehrt sie an der an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.