Nur zehn U-Bahn Minuten vom Mehringdamm entfernt liegt die Galerie im Tempelhof Museum. Der kommunale Kunstraum ist in einem denkmalgeschützten Gründerzeitbau untergebracht, der im 19. Jahrhundert als Schulhaus von Mariendorf genutzt wurde. Heute wird an diesem Ort zeitgenössische Kunst auf hohem Niveau ausgestellt, was von der lebendigen Kultur in den Berliner Quartieren zeugt. Ab dem 28. März zeigt hier Christina Paetsch ihre Arbeiten ausden Bereichen Fotografie, Installation und Video.

In der Mitte des Ausstellungsraumes dominiert ein Turm aus Kühlschränken. Darin befindensich Lebensmittel, darunter Schokoküsse und Marshmellows, deren klebrige, zuckrige Fülleaus dem Schrank quillt. Zwei Videos lassen in der Absurdität der dargestellten Inhalte – wiebeispielsweise Torten duschen – an dadaistische Ursprünge denken. Sie unterstreichen dieThematik, die Christina Paetsch hier bearbeitet: Umgang mit Ressourcen.

An den Wänden präsentiert die Künstlerin surrealistisch anmutende fotografische Kompositionen im Spannungsfeld von Schönheit und Ekel, Natur und Künstlichkeit. Sie bestechen durch ihre farbige Plastizität und scheinen direkt den archetypischen Dimensionen des Unterbewusstseins entsprungen zu sein.

Christina Paetsch arbeitet mit Fotografie und lotet zugleich die Grenzen des Mediums aus. Sie erstellt Einzelaufnahmen von Alltagsobjekten, aus denen sie ihre Stillleben collagiert. Indiesem transformatorischen Prozess sind fantastische Werke entstanden, die in ihrer hohen ästhetischen Qualität auch in den Hochglanzmagazin der Mode- und Werbewelt bestehenwürden – wären da nicht verstörende, skurrile Elemente im Bild. Die Dinge sind nicht so, wiesie zu sein scheinen. Paetsch stellt unsere Sehgewohnheiten auf die Probe.

Ob gefundene Dinge des Alltags, der Botanik oder der Lebensmittelindustrie, sie sind Zeugnisse unseres Umgangs mit uns und unserer Umwelt. Christina Paetsch beschäftigt sich in ihren gezielt inszenierten Werken mit Wahrnehmungsprozessen in unserer Gesellschaft und den großen Fragestellungen des post-industriellen Zeitalters, darunter Konsumverhalten, Schönheitsideale, Überproduktion, Klimawandel und Globalisierung auf sozialer Ebene. Kunst bezieht Stellung.

Christina Paetsch (*1963, Berlin) schloss ihr Studium der Bildenden Kunst an der Hochschuleder Künste Berlin als Meisterschüler ab. Ihre Arbeit wurde vielfach gefördert und ausgezeichnet,u.a. durch Künstlerresidencies (Mexico-City, Guatemala, Bangkok, Amsterdam), die Berliner Kulturverwaltung, das Goldrauch Künstlerinnenprojekt, das Arbeitsstipendium „Rosa Reiter“ in Gstaad, das Stipendium der Käthe-Dorsch-Stiftung, die Nominierung zum Gabriele Münter Preis. Die Künstlerin hat zahlreiche Ausstellungen und auch kuratorische Projekte realisiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Text von Christoph Tannert.


Öffnungszeiten:
Montag - Donnerstag: 10:00 - 18:00 Uhr
Freitag: 10:00 - 14:00 Uhr
Sonntag: 11-00 - 15:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: hausamkleistpark.de

© Christina Paetsch, Puna Bay, 2018, 137 x 116 cm, Digital Fine Art Pigmentdruck
28.03. - 12.06.2019

GENAU SO UND ANDERS. Eine Ausstellung von Christina Paetsch

Galerie im Tempelhof Museum

Alt-Mariendorf 43
12107 Berlin