Ein Stuhl aus Eis, darauf schemenhaft die Konturen eines Körpers. Hier hat Stephan Reusse gesessen. Die thermografische Aufnahme zeigt die Restwärme auf der Eisoberfläche wenige Minuten, nachdem der Künstler seinen Platz verlassen hat.

Die geisterhaft wirkende Erscheinung ist Teil der Ausstellung „Stephan Reusse. Laser Works“, mitder das Kunstmuseum Celle ab 31. März Einblick in das Schaffen des Kölner Medienkünstlers bietet. Zu sehen sind außerdem: die rot glühende Wärmeabstrahlung von Wölfen im nächtlichen Wald, Temperaturspuren des Künstlers auf Thonet-Stühlen und Wasserflecken auf Wänden, die von der Thermografie in knallrot und pinkfarbene Colorfield Paintings verwandelt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind Laser-Installationen mit vektorisierten Aufzeichnungen der Bewegungen von Menschen und Tieren. Sie halten, so beschreibt es Stephan Reusse selbst, als „künstlerische Psychogramme“ Bewegungsmuster fest, die das Wesen der Dargestellten auf eine unverwechselbare, existenzielle Essenz konzentrieren und die sich als unsichtbare skulpturale Formen in den Raum einschreiben.

„Wir sehen nicht, dass wir nicht sehen.“ So hat der österreichische Physiker Heinz von Foerster die Blindheit des Menschen gegenüber den Grenzen seines Sehvermögens auf den Punkt gebracht. Reusse geht noch einen Schritt weiter und rückt ins Bewusstsein, was uns bei der Fokussierung auf das Visuelle an Wahrnehmungen entgeht. Mit Wärmebildkameras und Hochleistungslasern macht er „blinde Flecken“ sichtbar, die mit den beschränkten Wahrnehmungsmöglichkeiten der Augen nicht zu erfassen sind, aber die dennoch existieren und sich auf ihr Umfeld prägend auswirken.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Stephan Reusse. Laser Works“ am 31. März 2019 um 11.30 Uhrspricht die Kunsthistorikerin Dr. Marietta Franke. Der Künstler ist persönlich vor Ort.