„Leipziger Schule“ – Was ist das? Der Begriff ist seit seiner Prägung Mitte der 1970er Jahre umstritten. Obwohl er sich einer Definition zu entziehen scheint, eroberte in den letzten rund zwei Jahrzehnten die „Neue Leipziger Schule“ große Aufmerksamkeit, hervorgehend aus den nachgewachsenen Künstlergenerationen. Die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig steht im Zentrum dieser originären Leipziger Kunstentwicklung, ergänzt durch hoch begabte Autodidakten. Vor dem Hintergrund dieses Potenzials und der Herausforderung an die Sparkasse Leipzig, in der Nachwendezeit das gesamte Institut zu modernisieren, entstand die Idee, eine hauseigene Kunstsammlung anzulegen. In den Filialen als Kommunikationsmittel, in der Sammlung zur Dokumentation und Bewahrung der Leipziger Kunstentwicklung gedacht, ist in den letzten fünfundzwanzig Jahren der größte Bestand an Kunst der Leipziger Region überhaupt herangewachsen.

Die Ausstellung MEISTERSTÜCK! vollzieht den Sammlungsgedanken ebenso nach wie die Suche nach dem Ursprung, der Bedeutung und Entwicklung der „Leipziger Schule“ in den Bereichen Malerei undGrafik. Der Rundgang durch die Schau folgt der Chronologie.

Ausgangspunkt sind Arbeiten der Protagonisten Bernhard Heisig, Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer sowie Vertretern der ersten Generation von Künstlern der „Leipziger Schule“. DieAuswahl berücksichtigt die unterschiedlichen Malstile, die bereits eine Lehrer-Schüler-Konstellation erkennen lassen, weitestgehend für das Figürliche, Gegenständliche in der Leipziger Kunst stehen und gesellschaftspolitische Hintergründe reflektieren. Außerdem wird die Perspektive der fortwährenden Beschäftigung mit abstrakter, konstruktiv konkreter Kunst eröffnet.

Die Schau knüpft weiterhin an eine Lehrer-Schüler-Generation ausgehend von Arno Rink an. Die Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die bei ihm studierten, stehen für ein breites inhaltliches Arbeitsspektrum und die Ausprägung individueller Handschriften auf hohem Niveau. Neo Rauch als einer dieser Schüler und schließlich selbst als Professor für Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst tätig, führt mit dem künstlerischen Nachwuchs seiner Fachklasse die Traditionen der Leipziger Kunstausbildung fort. Ausgewählte Arbeiten seiner Meisterschüler formulieren den hohen Anspruch an künstlerisches Handwerk und Kreativität, die immer auch im gesellschaftlichen Kontext steht. Eine Kollektion von Neuerwerbungen gibt einen ergänzenden Einblick in aktuelle Tendenzen der Leipziger Kunstentwicklung und weist auf das offene Ende dieser Kunstsammlung hin.

Die Ausstellung mischt sich auch in die Debatte ein, ob sich die Leipziger Kunst tatsächlich ausschließlich figürlich äußern kann. Elf Positionen reflektieren den Umgang mit dem Nichtgegenständlichen, loten Nähe und Entfernungen aus. Der chronologische Bogen von den 1960er Jahren bis heute weist auf die fortwährende Auseinandersetzung mit dieser Kunstrichtung hin.

Papierarbeiten flankieren die Ausstellung und vermitteln die tiefgründige Korrespondenz zwischen Malerei und Grafik. Die grafischen Werkstätten an der Hochschule für Grafik und Buchkunst boten über Jahrzehnte hinweg die Möglichkeit, traditionelle Techniken zu erlernen, aber auch zu experimentieren. Einige Künstlerinnen und Künstler verschrieben sich dem ganz, andere arbeiten in beiden Bereichen und erproben Gemeinsamkeiten und Grenzen dieser Genres. Die hohe künstlerische Qualität der Leipziger Grafik ist aus den Einzelblättern wie auch aus den Mappenwerken ersichtlich und zeigt die außerordentliche Meisterschaft aller Künstlergenerationen auch auf diesem Gebiet.

Kuratorin: Constanze Treuner, Leiterin der Kunstsammlung und Kunsthalle der Sparkasse Leipzig


Öffnungszeiten:
Die Zitadelle ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet:
Freitag - Mittwoch: 10:00 - 17:00 Uhr (letzter Einlass 16.30 Uhr)
Donnerstag: 13:00 - 20:00 Uhr (letzter Einlass 19.30 Uhr)

Weitere Informationen direkt unter: zitadelle-berlin.de

Wolfgang Mattheuer, Große Straße II, 1962, Öl auf Hartfaser, 129 x 89 cm, © VG Bild-Kunst Bonn, Foto: Jürgen Kunstmann
06.04. - 28.07.2019

MEISTERSTÜCK! Hauptwerke aus der Kunstsammlung der Sparkasse Leipzig

Zitadelle – Zentrum für Aktuelle Kunst

Am Juliusturm 64
13599 Berlin