Die Einzelausstellung zeigt Skulpturen und textile Arbeiten von Pia Ferm. Während die Künstlerin sich im Bereich der Skulptur bewegt, erinnern ihre Wandteppiche aus Wolle unmittelbar an Malerei.

Pia Ferms (*1986, Lysekil, SE) handgetufteten Wandteppiche bewegen sich zwischen Skulptur und Malerei, verbinden sie die Traditionen der Bildteppiche mit dem Genre des Stilllebens innerhalb der Malerei. Die abstrahierenden Arbeiten sind präzise Auseinandersetzungen mit den von ihr verwendeten Medien und Materialien. Gehört die traditionelle Teppichwirkerei oder -weberei zu den ältesten Handwerkskünsten der Menschheit, bedient sich die Künstlerin mit dem Tufting einer relativ modernen, oftmals industriell genutzten Technik. Während sie über das durch diese Methode entstehende Relief in den Bereich der Skulptur vordringt, erinnern vor allem der gestische Ausdruck in den Teppichen sowie deren Präsentation an der Wand an Malerei, erweitert jedoch um eine räumliche und verführerisch haptische Qualität.

Grundlage für die Motive Pia Ferms sind, der Tradition der Wandteppiche folgend, Gemälde, wobei die Idee der Übersetzung von abstrakten Motiven in textiles Gewebe bereits von den Künstler*innen des Bauhauses weiterentwickelt wurde. Einer Skizze folgend entwirft sie abstrahierte Aquarellstillleben, die sich motivisch in ihrer Leichtigkeit der Schwere des wollenen Objekts entgegenstellen. Dieser Gegensatz findet sich ebenfalls in ihren Marmorskulpturen: Trotz der Schwere des Materials ist ihr Ausdruck leicht, pastellig und spielerisch, indem sie comichaft die Alltagsobjekte der Teppichmotive aufnehmen und das gewichtige Erbe der antiken Skulptur unbeschwert überspielen.

So speisen sich die ableitbaren Motive sowohl der Teppiche als auch der Skulpturen aus der gleichen, von Pia Ferm geschaffenen, Bildwelt – das Motiv des Kamms greift sie beispielsweise in beiden Medien auf –, sodass sie das Bild als solches aus unterschiedlichen bildhauerischen Praxen heraus erforscht.

Ob aus einer Schwarzweiß-Skizze eine Skulptur oder ein Aquarell mit anschließender Umsetzung als Wandteppich entsteht, entscheidet die Künstlerin intuitiv. Während sie in den weichen, flauschigen Teppichen die Aquarellfarben der malerischen Vorlagen in kräftige Grundfarben übersetzt, erscheinen die harten, glatten Skulpturen in den zarten Naturfarben des Marmors.

Mit dem Titel good breed verweist Pia Ferm auf den Schaffensprozess hinter ihren Arbeiten, den sie mit Methoden der Pflanzen- oder Tierzucht vergleicht. Es handelt sich um einen langfristigen und kontrollierten Prozess, der es ihr durch die Wiederholung ihrer Themen und Motive erlaubt, diese immer weiter zu verfeinern und weiter zu entwickeln.

Die Einzellausstellung versammelt Werke der letzten zwei Jahre, die als Ergebnisse ihrer eigenen züchterischen Arbeit gelesen werden können. Die Arbeiten sind einerseits Rückblick und lassen andererseits – betrachtet als Objektfamilie – Einblick in die zukünftige Entwicklung ihrer Arbeit zu.

Zur Eröffnung, am 11. April 2019, spricht Jörg-Uwe Funk, kommissarische Leitung, Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Über die Künstlerin:
Pia Ferm (*1986, Lysekil, SE) studiert seit 2014 in der Klasse Tobias Rehberger an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste - Städelschule, Frankfurt am Main, nachdem sie zuvor ein Studium an der Dômen artschool, Göteborg absolvierte. Sie stellte bereits in Schweden, Österreich und Deutschland aus. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt a. Main.


Eröffnung: 11. April 2019 ab 18:00 Uhr