Die Klasse Weber präsentiert sich und nimmt dabei die Alltags-Welt zum Gegenstand ihrer Beschäftigung. Der Titel der Ausstellung ist bereits eine programmatische, subtile Manipulation der alltäglichen Sprache. Ausgangspunkt der Ausstellung ist die „reale Welt“: Alltagsobjekte, alltägliche Strukturen und Abläufe, die unser Leben bestimmen. Welche Bedeutung schlummert in den Alltagsobjekten, welche Abläufe werden durch sie bestimmt oder sind in ihnen abzulesen? Was unterscheidet ein Alltagsobjekt von einem Kunstobjekt und welche Aufladung erfährt ein Objekt der Alltagswelt, wenn es zum Kunstgegenstand gewandelt wird? Die Ausgangsthese ist, dass durch die künstlerische Intervention das Alltagsobjekt offenbart, was zuvor verborgen blieb.
Doch für diese Operationen bedarf es im Vorfeld eines durchdringenden Blicks, um das Potential der Situationen und Gegenstände zu erkennen: Eines künstlerischen Blicks, den die jungen Künstlerinnen und Künstler hier virtuos und auf ganz unterschiedliche Weise angewendet haben. So wie der traditionelle Steinbildhauer die Figur im Stein erkennt, erkennen die zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler das versteckte Potential des Alltagsobjekts. Durch Entrückung und Neuinterpretation verweigert das Objekt die Einordnung in Altbekanntes. Die Arbeiten der 22 Studierenden werfen so die Frage nach dem Potential von Kunst auf, alternative und unerprobte Wahrnehmungswege aufzuzeigen und zu einer bewussten Verschiebung des Blicks zu ermutigen. Durch Hinterfragen und Rekonstruieren der subjektiven Wirklichkeit wird auch der Betrachter dazu verleitet, den Gegenstand neu und unmittelbar zu erfahren und sich dem Zwiespalt des Bekannten und Fremden, der den Gegenstand selbst in seiner Existenz bedroht, auszusetzen. Einige der Arbeiten nehmen dabei direkt Bezug zu der im Herbst 2018 unternommenen Klassenexkursion nach Japan und zeigen in unterschiedlichsten Ansätzen spannende Annäherungen an eine fremde Kultur und deren gesellschaftspolitische Gegensätze.

Welt zum Gegenstand © Foto:Hubertus Huvermann
22.02. - 28.04.2019

Welt zum Gegenstand. Kunstverein Gelsenkirchen e.V. im Kunstmuseum Gelsenkirchen

Kunstmuseum Gelsenkirchen

Horster Str. 5-7
45897 Gelsenkirchen