Wenn ein Stadtbezirk zu Kunst wird: Seit Wochen ist das Berliner Künstlerpaar Elisa Duca und Robin Detje in Berlin-Moabit auf der Suche und will fündig werden – zwischen Gefängnis, Amtsgericht und Siemenswerken, zwischen Großmarkt und Spreebogen. Mit Oumar Diallo waren sie im Keller des Afrika-Hauses in der Bochumer Straße und im Frisör-Saloon von Marianne Graff in der Bremer Straße – immer auf der Suche nach Material, das Geschichten aus dem Kiez erzählt – für ihre performative Installation „Processing:Moabit“, die sich in der Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten über den Zeitraum von vier Wochen vor den Augen des Publikums ständig weiter entwickeln wird.
Sie haben eine Chorprobe der Levetzowgirls in Moabit besucht und sie zu einer performativen Intervention in ihre Installation eingeladen. Die teils von Abschiebung bedrohten geflüchteten Mädchen singen auf Farsi, Arabisch und Kurdisch, haben aber auch alte deutsche Volkslieder in ihrem Repertoire. Ein Goldfisch aus dem Nachlass des legendären taiwanesischen Restaurants Mulan der Familie Wang in der Beusselstraße, das nach zwei Jahrzehnten schließen musste, wird nun lebendiger Bestandteil der Installation. In einem Aufruf an die Anwohner bittet das Künstlerpaar um Leihgaben und Spenden, um mit Bedeutung aufgeladene Alltagsgegenstände, aus der eine Landschaft aus Objekten entstehen soll, die sich ständig verwandelt. 
Die Arbeit von Elisa Duca und Robin Detje kennt keinen Endzustand. Sie lebt aus ständiger Veränderung und sucht nach einer Ästhetik des wertfreien Nebeneinanders. „Wir schaffen eine wilde Rekombination von Objekten, die in neue, ‚falsche‘ Zusammenhänge versetzt werden. Ein Parlament der Dinge, zur Feier des großen Mikrokosmos Moabit.“ 
Dieses lokal-globale Experiment beginnt am 3. Mai und entwickelt sich als lebendiger Organismus über vier Wochen ständig weiter. Immer wieder werden in der Galerie Nord performative Interventionen zu sehen sein – mal kalkuliert, mal unangekündigt, mal von den Künstlern selbst, mal von außen diktiert. So zum Beispiel am Sonntag, den 26. Mai: Wenn mitten in der Installation der Bezirk Mitte ein Wahllokal für die Europawahl aufbaut und die Moabiter zur Wahl aufruft, verstehen die Künstlerinnen dies als Einladung zu einer Demokratie-Performance.
Nach vier Jahren und erfolgreichen Präsentationen in Indien und Taiwan ist zum ersten Mal wieder eine gemeinsame Arbeit von Elisa Duca und Robin Detje in Berlin zu sehen.

Kuratorische Begleitung: Isabelle Meiffert und Veronika Witte

Elisa Duca ist Performance- und Installationskünstlerin. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung und studierte Theater, Film und Kunstgeschichte am Institut DAMS – Drama, Art and Music Studies der Universität Bologna. Sie unterrichtet und coacht Jugendliche und Erwachsene in Performancetechniken, unter anderem am Maxim-Gorki-Theater, an der Universität der Künste und am Deutschen Theater in Berlin, und hat im Jahr 2017 das Künstlerinnen-Förderprogramm Goldrausch abgeschlossen. Soloarbeiten von Elisa Duca waren in Berlin im Kunstquartier Bethanien und im Haus am Lützowplatz zu sehen.

Robin Detje ist ausgebildeter Schauspieler und war lange Kritiker, u.a. für die „Zeit“, die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Berliner Zeitung“. Er ist Autor des Buches „Castorf – Provokation aus Prinzip“ (Berlin 2002). Neben seiner künstlerischen Tätigkeit arbeitet er als literarischer Übersetzer (von Kiran Desai, Gary Shteyngart, William T. Vollmann, Joshua Cohen u.a.) und wurde für seine Arbeit 2014 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse und 2017 mit dem Preis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung geehrt.

Mit freundlicher Unter­stützung der bezirklichen Förderfonds der Senats­verwaltung Kultur und Europa und des Bezirkskulturfonds  


Öffnungszeiten:
Dienstag - Samstag: 13:00 - 19:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: kunstverein-tiergarten.de

© Elisa Duca und Robin Detje, Foto: Anders Bigum
04.05. - 01.06.2019

Processing: Moabit

Kunstverein Tiergarten

Turmstraße 75
10551 Berlin