Die Wüstenrot Stiftung und das Museum im Kulturspeicher Würzburg zeigen vom 30. März bis zum 12. Mai 2019 die Arbeitsergebnisse der Dokumentarfotografie Förderpreise 11. Mit der Ausstellung kommen methodisch vielfältige Arbeiten einer jungen Generation von Foto- graf*innen nach Würzburg, die sich mit der politischen und sozialen Verfasstheit unserer Welt auseinandersetzen.

Die Multimediainstallationen, Filmprojekte und Porträtserien von Susanne Hefti, Alina Schmuch und ihrer Projektpartnerin Franca Scholz, Andrzej Steinbach und Malte Wandel beschäftigen sich mit drängenden Fragen unserer Zeit.

Im Fokus stehen Geschichte und Gegenwart der Migrationsbewegungen und politische Bruchlinien des 20. Jahrhunderts, aber auch die Frage, was Identität ausmacht – Pose, Kleidung oder soziale Rolle?

Der Dokumentarfotografie Förderpreis der Wüstenrot Stiftung ist der bedeutendste Nach- wuchspreis für Dokumentarfotografie in Deutschland. Er richtet sich an Fotografinnen und Fotografen, die sich mit Themen der realen Lebenswelt beschäftigen und mit zeitgenössischen Mitteln die Definition des Abbildungscharakters der Fotografie reflektieren. Dabei zeigt jede einzelne Arbeit, dass einfache Antworten auf die Fragen unserer Zeit nicht möglich sind; die jungen Künstler*innen machen vielmehr auf die offenen Fragen und die Leerstellen – „The Voids“ – aufmerksam.

Ausstellende Künstler*innen:

Susanne Hefti
In ihrer Multimedia-Installation „Kosovo – A Truly Non-Affirmative Research“ beschäftigt sich Susanne Hefti (*1984, lebt in Zürich) mit den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen des Kosovo-Konflikts. In ihrer Arbeit widmet sie sich den Konsequenzen, die die überstürzte Einführung des Kapitalismus und die Liberalisierung der Märkte nach dem Zerfall Jugoslawiens für die Gesellschaft des Kosovo bedeuten. Ihre Aufnahmen von nur scheinbar gewöhnlichen Tankstellen am Straßenrand sind Symptom und Schauplatz dieser Verwerfungen.

Alina Schmuch
Für ihr Filmprojekt „We can“ besuchten Alina Schmuch (*1987, lebt in Berlin) und ihre Projekt- partnerin Franca Scholz (*1988, lebt in Düsseldorf) mehrere Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge in Deutschland. Der Dokumentarfilm zeigt die Leere vor der Ankunft von Geflüchteten, temporäre Unterkünfte, Umnutzungen von historischen Gebäuden, aber auch die Gespräche unterschiedlicher Gruppen, die sich zu dem Thema positionieren. So liefert die Arbeit ein nüchternes und schlichtes Zeitdokument zu einer der größten Herausforderungen für die Bundesrepublik in der jüngsten Zeit.

Andrzej Steinbach
Den Titel „Gesellschaft beginnt mit drei“ entlieh Andrzej Steinbach (*1983, lebt in Berlin und Leipzig) einem gleichnamigen Essay Ulrich Bröcklings. Darin plädiert der Soziologe dafür, Gesellschaft als Triade, also Beziehung von mindestens drei Beteiligten zu verstehen. In seinen 35 Porträts abstrahiert Steinbach Posen, Kleider, Gestik und Mimik von drei Personen und setzt sie immer wieder neu zusammen. Die Arbeit hinterfragt so Repräsentationsformen, Identitätskonstruktionen, Beziehungen, Hierarchien und Prinzipien sozialer Kodizes.

Malte Wandel
Mit der Geschichte afrikanischer DDR-Vertragsarbeiter und deren Schicksal nach der Wende 1989 beschäftigt sich Malte Wandel (*1982, lebt in München) seit über zehn Jahren. Für „Sarah, Miguel und Jamal“ begleitete er in den vergangenen zwei Jahren drei Nachkommen mosambikanischer Vertragsarbeiter. Auf eine sehr persönliche Art dokumentiert die Arbeit Spuren ihrer Existenz. Sie gewährt einen Blick auf ein unerschöpfliches und sich ständig erweiterndes Konvolut an Porträts, Familienbildern, Briefen, Dokumenten und diversen Objekten.

Zur Ausstellung erscheint ein kostenloser Katalog.


Öffnungszeiten:
Dienstag: 13:00 - 18:00 Uhr
Mittwoch: 11:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 11:00 - 19:00 Uhr
Freitag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: kulturspeicher.de

Malte Wandel, Cabeça do Velho I, Chimoio, Mosambik 2017, 2015-aktuell ©M. Wandel
30.03. - 12.05.2019

Dokumentarfotografie Förderpreise 11 – The Voids

Museum im Kulturspeicher

Oskar-Laredo-Platz 1
97080 Würzburg