Die Ausstellung des belgischen Malers Raoul De Keyser (1930-2012) führt über 100, zum Teil selten oder noch nie gezeigte Gemälde aus allen Phasen seines Schaffens zusammen.
Die Exponate stammen aus dem Nachlass des Künstlers sowie aus rund 40 öffentlichen und privaten Kunstsammlungen in Europa, China, Japan und den USA.

Die Biografie von Raoul De Keyser bietet zunächst wenig Spektakuläres: Im belgischen Deinze bei Gent ist der Künstler geboren und im Alter von 82 Jahren auch dort verstorben. Die erste Einzelausstellung hatte er mit 35, internationale Aufmerksamkeit erhielt er erst mit über 60, seit seiner Teilnahme an der Documenta IX 1992 in Kassel. Die Retrospektive in der Pinakothek der Moderne ist die erste Museumsausstellung in Deutschland seit dem Tod des Künstlers 2012.

Im Kontrast zur Heimatverbundenheit des Künstlers stehen das staunenswert weite Spektrum seines Gesamtwerks und sein freier Umgang mit der Malerei. Raoul De Keyser sah ein Bild nie als etwas Isoliertes an. Für ihn stand jedes Bild in Verbindung mit bereits geschaffenen Arbeiten und hatte Einfluss auf später entstehende.

Bereits im frühen Schaffen De Keysers wird die bewusste Hinwendung zu seiner unmittelbaren Umgebung deutlich: Zu seinen bevorzugten Motiven zählen die weißen Kreidelinien auf einem Fußballrasen, die weichen, hängenden Zweige des hohen Baums, den er von seinem Atelier aus sah, der Griff eines Fensterrahmens, sein Hund „Baron“ oder ein Gartenschlauch.

Mit seinen Bildfindungen hat sich De Keyser immer wieder neu befasst, hat sie variiert, zerlegt oder ihnen neue Ebenen hinzugefügt. Immer wieder verliert sich das konkrete Motiv in der Abstraktion, was überraschende Assoziationsräume erzeugt. So ist das künstlerische Werk von Raoul De Keyser in allen Phasen vor allem eines: eine Liebeserklärung an die Malerei. Zu keinem Zeitpunkt stellt der Künstler die Bedeutung dieses Mediums in Frage.

In seiner unbeirrbaren Suche nach dem Wesentlichen des Gesehenen ist Raoul De Keyser – vergleichbar dem 13 Jahre jüngeren deutschen Maler Palermo – ein Vertreter der späten Moderne. Doch sein Werk besticht bis zuletzt durch eine auffallende Lust am Spiel und einen trockenen Humor. Die Leichtigkeit, mit der sich Raoul De Keyser des Öfteren über die Konventionen der Kunstgeschichte hinwegsetzt, ist auch ein Grund, weshalb er als ein „Painter‘s Painter“ („Maler- Maler“) geschätzt wird, der nachfolgende Künstlergenerationen bis heute inspiriert. Gleichwohl gilt es, Raoul De Keyser auch dem breiten kunstinteressierten Publikum vorzustellen.

Die Ausstellung in der Pinakothek der Moderne entstand in Kooperation mit dem Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (S.M.A.K.) in Gent. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit ist auch die erste posthume Monografie über Raoul De Keyser erschienen, mit Texten von Martin Germann, Steven Jacobs, Luk Lambrecht, Bernhart Schwenk und Philippe Van Cauteren, Künstlerstatements von Tomma Abts, Maria Eichhorn, Werner Feiersinger, Suzan Frecon, Mary Heilmann, Thomas Scheibitz, James Welling u. a. sowie einer Chronologie von Wouter De Vleeschouwer, Hilde D’haeyere, Inge Ketelers und Steven Jacobs, die bislang unveröffentlichtes Archivmaterial einbezieht (240 Seiten, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, Preis: 39,90 Euro). Kurator: Bernhart Schwenk

Die Ausstellung wird gefördert durch PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e. V.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 20:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: pinakothek-der-moderne.de