...if you were looking back at me To see me looking back at you

In den vergangenen Jahren war Kaja Leijons künstlerische Praxis auf das parallele Arbeiten mit Film und Fotografie fokussiert. Indem Leijon feinsinnig das zwischen den Dingen Liegende auslotet und auf nahezu poetische Weise ans Licht bringt, will sie fiktive Erzählungen und Universen schaffen, in denen sich die Betrachter selbst finden können. Im Mittelpunkt ihrer Filme stehen zumeist Aspekte der menschlichen Existenz wie Einsamkeit, Traurigkeit und Entfremdung; ihre fotografischen Arbeiten befassen sich häufig mit dem Zurückgelassenen oder Überlieferten – für Leijon Behältnisse für etwas, das sich der oberflächlichen Betrachtung entzieht und dennoch, jenseits des Rahmens der direkten Abbildung existiert. Mithilfe der Kamera gelingt es ihr, die Bilder vom Platz ihrer Aufnahme, zu abstrahieren und im Rahmen ihrer Präsentation zu etwas Eigenständischem zu transformieren – angesiedelt irgendwo zwischen der sichtbaren und der von uns imaginierten Realität.

Im Künstlerhaus Bethanien präsentiert Leijon eine Serie von neuen, während ihres Aufenthalts in Berlin entstan- denen Arbeiten, in denen sie das Motiv des Greifvogels (Adler/ Falke/ Habicht) thematisiert, das ihr während des Aufenthalts in Deutschland immer wieder in vielerlei Formen begegnete: der Falke als meisterhafter, inzwischen auch auf den Türmen der Stadt heimischer Flieger; der Adler als Emblem auf vielen Flaggen und Wappen oder deut- schen Euromünzen; Falke und Adler als architektonische Zierelemente oder nur noch als Umriss wahrnehmbar an historischen Gebäuden, von denen das skulpturale Adler-Emblem nach ideologisch-politischem Missbrauch ent- fernt wurde. Leijons Arbeiten loten die Zwischenräume zwischen semiotischen Bedeutungen, dem freien Leben des wilden Tieres, und der Jahrhunderte alten symbolischen Nutzung in Heraldik und Geschichte aus und überführen durch die aktuell von ihr gewählte neue Form der Präsentation der Motive – unter starkem Plexiglas oder in runder Form von der Decke hängend – die fotografische Ebene ins Skulpturale: eine neuerliche Transformation, der Leijons derzeitige künstlerische Praxis in besonderem Maße gewidmet ist.

Leijon filmte außerdem über Wochen hinweg Falken in dem ligurischen Dorf Villa Faraldi. Die Szenen ergeben gemeinsam mit Aufnahmen von Natur- und gesellschaftlichen Phänomenen den Film I Was Looking Back to See if You Were Looking Back at Me to See Me Looking Back at You, der nun im Künstlerhaus Bethanien Premiere feiert.
Kaja Leijon *1980 in Tromsø, Norwegen, lebt und arbeitet in Berlin. Einzelausstellungen u.a.: White Dust, MELK, Oslo (2018), Dark Haven, Kunstnerforbundet, Oslo (2017); Altro Mondo, Space 4235, Genua (2016). Ihre Arbeiten wurden u.a. gezeigt in: Kunsthalle Mainz, Palais de Tokyo, Paris; Haus der Kulturen der Welt, Berlin, Galleria Muratcentoventidue Artecontemporanea, Bari und Taiwan National Museum of Fine Arts. Leijon ab- solvierte einen Masterabschluss an der National Academy of Fine Art, Oslo und ist derzeit als Stipendiatin desOffice for Contemporary Arts Norway im Künstlerhaus Bethanien zu Gast.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 14:00 - 19:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: bethanien.de

Courtesy the artist; zur Veröffentlichung freigegeben
03.10. - 27.10.2019

Kaja Leijon:I was looking back to see...

Künstlerhaus Bethanien

Kottbusser Straße 10
10999 Berlin