Als Europa nach dem 2. Weltkrieg in Trümmern lag, wurde die abstrakte Kunst als Ausdruck reiner Freiheit gedacht. Für viele Kunstschaffende in Nordrhein-Westfalen war dieser Schritt mit harten Auseinandersetzungen verbunden, mit sich, mit dem Bild, mit der Gesellschaft. Nach Zeiten der politischen Instrumentalisierung der Kunst behaupteten sie die Autonomie der Kunst. Doch auch ihre Bilder spiegeln die Zeit, die Gesellschaft und deren Träume und Albträume. Die abstrakte Kunst hat nicht nur die Malerei geprägt, sie hat auch die Fotografie und unseren Blick auf die Welt beeinflusst. Bis führen Kunstschaffende die Auseinandersetzung zwischen Freiheit und Gestaltung immer wieder neu.

Der abstrakten Kunst widmet das Kunsthaus seine zweite Jubiläumsausstellung gestalten – Ein Jahrhundert abstrakte Kunst im Westen, anlässlich des siebzigjährigen Bestehens der Kunstsammlung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft. Die Sammlungsausstellung bietet Einblick in die Versprechen der abstrakten Kunst und die künstlerischen Werkprozesse, in die Auseinandersetzung mit Punkten, Linien und Flächen. In 26 Räumen kann der Besucher anhand von über 100 Highlights der Sammlung die Vielfalt künstlerischer Gestaltung von August Macke bis Katherina Grosse entdecken.

In fünf Kapiteln sind die ausgestellten Kunstwerke nach ihren gestalterischen Motiven gruppiert: nach Strukturen, Mustern, Grundelementen wie Linien, Flächen, sowie nach Konstellationen und Gruppen. Dadurch werden die Veränderungen der Themen und Aspekte im Laufe der Jahrzehnte sichtbar und nachvollziehbar, bis in die heutige Zeit hinein, in der Bilder in Zahlen aufgelöst werden.