Mit Katia Fouquet (*1975) und Oskar Manigk (*1934) begegnen sich zwei Künstler*innen aus unterschiedlichen Generationen. In der Ausstellung tangieren sich ihre stilistischen Unterschiede und künstlerischen Ausdrucksformen. Zugleich werden ikonografische Verwandtschaften sichtbar: Beide Künstler*innen greifen auf populäre Figuren insbesondere aus Kunstwelt und Unterhaltungsindustrie zurück. Sie reflektieren mediale und gesellschaftliche Codes, Muster oder Repräsentationsmodi, die zu Popularisierung und Tradierung von Bildformen beitragen. In der Auseinandersetzung mit ihrem jeweiligen Bild der Frau ergibt sich zwischen den beiden Künstler*innen eine ebenso bedeutsame Schnittstelle.

Katia Fouquet setzt sich mit verschiedenen sozialen und kolonialen Formen von Macht- und Gewaltausübung auseinander – u. a. mit Stereotypen, Klischees und Vorstellungen über Gender, Geschlecht oder das Künstler*innenleben. Dabei hinterfragt sich stets auch die damit verknüpften, tradierten Abhängigkeiten. Medienbilder und auch Textfragmente aus Presse und Internet sind Impuls und Ausgangspunkt für ihre Auseinandersetzung zu Fragen nach der Konstruktion von Realität und Fiktion. Sie leiten sie an zur Entwicklung ihrer dystopischen Fantasiewelten im Comic. Innerhalb dieser Welten lässt sie die neu kreierten Figuren und Wesen sich an den Mechanismen stereotyper Vorstellungsmuster ausagieren, dabei eben jene Machtverhältnisse und Abhängigkeiten befragen oder diese ins Gegenteil verkehren. Frauen werden als kämpferische, bewaffnete Heldinnen zu den Protagonistinnen. In Raumanzügen brechen sie zu neuen Welten und in neue Räume auf, entdecken diese, besetzen und beanspruchen sie.

Die Stereotype, die sich durch Bild ebenso wie in Text oder Sprache manifestieren, eignet sich Fouquet an, indem sie diese zunächst in das analoge Medium der Farbstift-Zeichnung transformiert. Anschließend werden sie in eine räumlich- erzählerische Struktur – Rauminstallation, Objekt, Film oder graphic novel – überführt. Stilistisch orientiert sich Fouquet dabei sowohl an Vorbildern der Klassischen Moderne, wie z. B. Oskar Schlemmer, als auch dem zeitgenössischen Comic.

Oskar Manigk arbeitet seit den 1960er-Jahren an der Figuration, etwas später entstanden parallel dazu abstrakte Bilder. Der Fokus der Bildauswahl für dieAusstellung „Das Paradies war nie“ liegt auf dem Figürlichen. Malereien auf Papier aus den 80er-Jahren sind in kleiner Anzahl zu sehen. Den Schwerpunkt bilden die großformatigen Malereien, die nach 1990 in einem als rauschhaft anmutenden Sog entstanden, obwohl der Maler immer wieder von der Schwere des Malens und vom latent vorhandenen Misslingen berichtet. Gerade diese Bilder, mit ihrem kultivierten Kolorit und dem sinnlich expressiven Furor, werden in der deutschen Kunstlandschaftals ein vielschichtiges „Welttheater“ wahrgenommen. Manigk zählt somit zu denwenigen Vollblutmalern seiner Generation, bei denen sich das Bild aus dem malerischen Prozess heraus entwickelt und zugleich dicht am szenischen Aufbau festhält. Schriftbänder und Sprechblasen kommentieren hier und da das Geschehen. Im Kontext der DDR-Kunstsituation transformierte Manigk die geistige, physische und kulturell-politische Enge in einen unmissverständlichen, malerisch rohen Stil. Nach 1990 beruhigte sich sein Bildgeschehen etwas, auch die malerischen Wogen im emotionalen Zwischenreich von Mann und Frau ebbten ab. Sein bisheriges, physisch der Macht ausgeliefertes Menschenbild wandelte sich allmählich in Richtung einer fragilen Souveränität zwischen Eros und Thanatos. Dort bevölkern seit Jahren Frauen aus dem Kunst- und Popbusiness (Leni Riefenstahl, Frida Kahlo, Herta Müller u. a.) die Bildflächen. Kunst-Männer und Denker sind in Gestalt von Willi Nelson, Pablo Picasso, Friedrich Nietzsche und Siegmund Freud vertreten. Hinzu kommen Männer der Macht und des Verbrechens, sowie Opfer von Krieg und Diktaturen.

Seit Jahren entstehen neben den Bildern Texte und Bücher mit hintersinnigen Kurzgeschichten und ironisch geistvollen Aphorismen.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag (Feiertage): 11:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen
Ostermontag und Pfingstmontag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: blmk.de

Katia Fouquet, Neo-Liberalismus, 2019, 29 x 42 cm, Buntstift auf Papier, © Künstlerin
03.03. - 05.05.2019

Das Paradies war nie

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst - Rathaushalle

Marktplatz 1
15230 Frankfurt (Oder)