Die scheinbar unendliche Welt der Farbe, eines der wichtigsten Gestaltungselemente überhaupt – sie ist der künstlerische Raum, in dem sich der Leipziger Fotograf Adrian Sauer bewegt. Dabei beruft er sich auf den sogenannten RGB Farbmodus, einen additiven Farbraum, der die Farbwahrnehmung durch das Mischen der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau nachbildet.

Seit der Antike haben Philosophen und Wissenschaftler daran gearbeitet, Farbe zu verstehen und zu kategorisieren. Daraus ist eine Reihe von Systemen und Theorien erwachsen, die Farben anhand der Lichtbrechung und deren Wellenlängen berechnen. Die Farbbänder, die aus Licht unterschiedlicher Frequenzen bestehen, nennt man in der Optik Spektren, was auf konzeptuelle Weise auf den Titel der Ausstellung verweist.

Adrian Sauer spielt in seinen Arbeiten mit der Farbe als Sinnesreiz. Seine fotografischen und digital bearbeiteten Werke sind im kunsthistorischen Kontext zu sehen und bieten gleichzeitig einen ungewöhnlichen und neuen Blickwinkel auf die essenziellen Gestaltungsmittel Farbe und Licht.

Mithilfe dieses anderen Blicks auf existierende Bildwelten spielt Adrian Sauer auch mit dem kunsthistorisch wertvollen Bildmotiv der sich verändernden Wolkenformationen. Adrian Sauers Himmelsbilder lassen die räumliche Ausdehnung und Vielgestaltigkeit möglicher Himmel erahnen, sie beschreiben den unendlichen Wechsel der Farben und Formen, der sich am Himmel ereignet. Von jeder Himmelskonstellation entstehen durch die Verschiebung des RGB Farbmodus zwei Versionen des Abbilds, ein positives und ein negatives. Diese scheinbar unmögliche Erschaffung eines Bildnegatives im Zeitalter der digitalen Fotografie wirft eine wichtige Frage nach den zulässigen Mitteln der bildreflexiven Fotografie und nach der bildnerischen Wahrheit im Auge des Betrachters auf.