Jelena Fuzinato | Installation, Zeichnung
Susanne Specht | Objekte

Luftige Begleitung – das klingt nach Bewegung, nach Empathie, nach Leichtigkeit, Durchlässigkeit und irgendwie auch nach Frühling. Zwei Künstlerinnen begegnen sich, beide haben ihre künstlerische Sprache, die im Dialog mit den Arbeiten der anderen nicht substanziell verändert wird, wohl aber wird der Wahrnehmung eine weitere Ebene hinzufügt. „Begleitung“ bedeutet, einen Weg gemeinsam zu gehen – und dabei zu kommunizieren, sich auszutauschen, den Blick der anderen einzunehmen. Und tatsächlich ist auch »Bewegung« in dieser Ausst ellung präsent – aber weniger als wahrnehmbare, tatsächlich stattfindende räumliche Veränderung, sondern vielmehr als Möglichkeit: im labilen Gleichgewicht der Objekte von Susanne Specht wie in den nicht fixierten Graphit-Arbeiten Jelena Fužinatos. Es gibt Raum in dieser Begegnung – und die Zwischenräume, die Luft, das Innen und Außen sowie die Grenzlinien sind für beide von zentraler Wichtigkeit.

Jelena Fužinato arbeitet mit Installationen, Film, Skulptur und Zeichnung – häufig kombiniert sie verschiedene Techniken. Viele ihrer Arbeiten referieren auf die so ungeheuer unterschiedlichen sozialen Wirklichkeiten, in denen Bürger*innen im 21. Jahrhundert leben. Der Zusammenhang zwischen Geburtsort und -land und Lebenschancen und der politisch-abstrakte Diskurs, der Einzelschicksale nicht zu kennen scheint, wird auf subtile Weise miteinander verwebt. Die Erfahrungen der Künstlerin, selbst in den 1980er Jahren in Bosnien-Herzegowina geboren, schwingen als Subtext überall mit, auch wenn ihre Werke zunächst nicht nach „politischer Kunst“ aussehen. Dass Farbe kaum eine Rolle spielt, ist wohl kein Zufall: In schwarz-weiß und allen dazwischenliegenden Grauwerten lässt sich das große Thema Erinnerung wohl am besten darstellen. In der ständig wachsenden Installation Observations from the safe distance (Beobachtungen aus sicherem Abstand) werden unterschiedliche Graphit-Zeichnungen zu einer wuchernden Assemblage kombiniert – Naturstudien, Objekte, Beobachtungen menschlicher Ausdrucksformen, die mit Episoden aus der Vergangenheit und typifizierten visuellen Narrativen in einen zufällig scheinenden und doch unausweichlichen Zusammenhang gebracht werden. Dabei entsteht etwas Hybrides, eine Idee, Skulptur … eine Art Landkarte, die Schichten persönlicher und kollektiver, innerer und äußerer Erinnerung verortet.

Die Arbeit von Susanne Specht basiert auf einer tiefgreifenden Analyse von Form und Material: dessen Gesetzmäßigkeiten und Grenzen werden ausgelotet, um in Varianten und kleinsten Veränderungen neue Formen und damit neue Aussagen zu generieren. Ihre in dieser Ausstellung gezeigten Skulpturen sind aus tiefschwarzem Zellkautschuk, der mit Wasserstrahltechnik so bearbeitet wird, dass durch exakte Ein- und Ausschnitte je nach Aufhängung und Eigengewicht Form und Aussagekraft der erdachten Skulpturen transformiert werden. Die Elemente teilen und verbinden sich, umschließen und markieren ein Gefüge in immer neuen Zusammenhängen. Es ist ein Wechselspiel aus Ordnung und »UmOrdnung«, aus Regelwerk und freiem Rhythmus.Geometrische Grundformen wie Quadrat und (Viertel)Kreis, sind seit vielen Jahren Ausgangsformen für das Werk der Künstlerin. Diese Formen zeigen sich sowohl als reduzierte wie umfängliche Zeichen, als Umrisse oder Binnenstrukturen, architektonische oder ornamentale Chiffren. Als statische oder bewegte Formationen eröffnen sie einen Dialog zwischen Innen und Außen, zwischen Begrenzen und Entgrenzen. Positiv und Negativ, Raum und Zwischenraum, sind zwei Pole einer Form, die sich im gegenläufigen oder parallelen Miteinander behaupten und sowohl einzeln als auch im Verbund wahrgenommen werden wollen. So entsteht ein offenes System, welches sich mit materialimmanenten Möglichkeiten weiterentwickelt und gleichzeitig durch die wiederkehrende Einbindung geometrischer Grundformen Kontinuität bewahrt.

www.frauenmuseumberlin.de 
Eine Ausstellung des Frauenmuseum Berlin e.V. in Kooperation mit der Kommunalen Galerie Berlin