In der Ausstellung beim Brühler Kunstverein in der Alten Schlosserei des Marienhospitals zeigt der in Berlin lebende Künstler Bodo Rott neuere Arbeiten. Diese jüngsten Werke sind wahre Energiebündel malerischer und zeichnerischer Kreativität. Sie befremden durch ihre Ambivalenz, einen Twist, eine Verdrehung, die uns Schwindel macht.

2015 hat er in seinem Schaffen eine Wende vollzogen. Zugunsten einer Fauna- und Tierwelt hat er sozusagen das zeichnerische Gerüst seiner Bilder nach außen gekehrt. Entstanden ist daraus der Werkkomplex „Hortus Convulsus“, wie ihn der Maler nennt, und was so viel heißt wie der verdrehte, der verzerrte Garten. Anders als der historische „Hortus Conclusus“, auf den der Name anspielt, zeigen die Bilder von Bodo Rott keine wohlgeordneten Räume mit Ertragsversprechen, sondern ein verwirrendes Gestrüpp aus mit Linien und Farben bedeckten Schnipseln, das den Betrachter zum Hineingreifen verführt.

Bodo Rott gibt darin den Anschein, aus vielerlei floristischem Dekor eine Collage zusammengestellt zu haben. Jedes Detail für sich hat sein Vorbild in den mittelalterlichen Buch- und Pflanzenmalereien. Und natürlich lässt der Künstler den Betrachter nur denken, es handele sich um eine Collage. Durch geschickte Schattensetzung hebt er Elemente aus der Leinwand heraus und lässt andere in die Tiefe gleiten. Hier ist der Maler der Herr seines Kosmos´, der Gestalter seiner Welt, aber auch hier eine Verdrehung, ein Twist.

Denn Bodo Rott malt in Öl, aber was er malt sind Zeichnungen oder eigentlich eine zeichnerische Mischung von Kalligraphie, Holzschnitt und Post-it-Graffiti. Seine aktuellen großformatigen Ölgemälde spielen verblüffend mit der Tiefe des Raumes und nehmen dabei leichtfüßig Bezug zur Kunstgeschichte. Aufwändig gestaltete Details werden verschwenderisch eingesetzt, das Auge will einem beim Betrachten schier übergehen. Eine intelligente Verspieltheit gepaart mit technischer Meisterschaft fordern die Wahrnehmung heraus. Den Raum hat Bodo Rott immer im Blick. Perspektive und die Grenzen der flächigen Malerei sind immer seine Themen.

Man kann sagen, Bodo Rott simuliert mit klassischen malerischen Mitteln mittelalterliche und barocke Topoi, die er auf diese Weise verfremdet. Damit kommentiert er die Malerei als Darstellungsform, das Nebeneinander der holzschnittartigen Schnipsel wird zu einem Ganzen, bei dem das Historische mitschwingt, das aber eigenen Wirkungsweisen folgt.

Etwas Magisches und Zauberartiges durchdringt diese Arbeiten. Die „Nichtkinderkinder“, der bildnerische Kosmos, der sein künstlerisches Profil begründete, sind als Figuren der Statur nach Kind, wäre da nicht ein Ausdruck dieser Figuren, der den Betrachter verunsichert. Da lauert etwas in diesen Figuren. Sie sind nicht unschuldig. Sie haben ein Geheimnis. So richtig süß sind sie nicht, diese Bodo Rott-Menschen.

2015 sind sie vor den Gestrüppen aus den Ölgemälden gewichen, verweilten aber in den Zeichnungen, um 2017 mit Macht in den großformatigen Monotypien zurückzukehren, die Bodo Rott auf einem Stipendienaufenthalt in Ahrenshoop begann. Dort musizieren, randalieren, beschworen oder forschen sie, mittlerweile in neuer Gestalt auch wieder in den Ölbildern. Bodo Rotts Natur ist die Neugierde. Er ist experimentierfreudig in seiner Malerei und findet über den Dialog der Techniken und Strategien immer wieder neue Wege.

Von einem dieser Wege hat Bodo Rott auch Monotypien nach Brühl mitgebracht. Eine Monotypie ist eine Druckgrafik mit der Auflage „Eins“. Diese Widersprüchlichkeit wirft durchaus ein Licht auf Bodo Rotts hintergründigen Humor, wird doch Drucktechnik eigentlich eingesetzt, um zu vervielfachen. Bodo Rott nutzt diese Drucktechnik, um dem Zufall mehr Raum zu schenken und um die „Veränderung des Strichs“, der auf diese Art eine neue Qualität gewinnt.

Archaisch, rätselhaft und ausgelassen, so erscheinen die Arbeiten von Bodo Rott. Er will uns teilhaben lassen an dem Wunder einer Welt, die mit jedem Morgen neu entsteht.

Vernissage: Freitag, 10. Mai 2019 um 19.30 Uhr 
Zur Eröffnung spricht Thomas Wallraff, Schriftsteller

Finissage mit Künstlergespräch: Sonntag, 2. Juni 2019, 15.00 Uhr 


Öffnungszeiten:
Mittwoch - Sonntag: 15:00 - 17:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: bruehler-kunstverein.de

Bodo Rott, "Frühsommer im Atelier", 2017, Monotypie, 102 x 72 cm, Foto: gebhardt reproduktionen Berlin
11.05. - 02.06.2019

Bodo Rott: Mundus Convulsus

Brühler Kunstverein e.V.

Clemens-August-Str. 24
50321 Brühl