Die Hamburger Künstlerin Stephanie Baden (geboren 1962) verwirklicht im Pavillon und im Außenbereich des Gerhard-Marcks-Hauses Installationen mit Grenzsteinen. Angeregt durch die Zickzacklinie der Bremer Wallanlagen, auf der der Pavillon steht, reflektiert sie die Vermessung des Raums und das daraus resultierende Thema der Grenzen. In Zeichnungen und Fotografien (Screenshots) widmet sie sich der veränderten Wahrnehmung unseres Lebensraums durch die Medien. Auch hierbei steht die direkte Umgebung des Museums im Fokus ihrer Arbeiten.

Seit vier Jahren verwirklicht sie Installationen mit Grenzsteinen und Vermessungspunkten. Die Einladung, im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses eine Ausstellung zu machen, ist für die Künstlerin ein ganz besonderes Angebot, da das Ensemble auf den ehemaligen Grenzanlagen der Stadt Bremen errichtet wurde. „Diesen Ort mit Grenzsteinen zu bespielen, ist eine großartige Möglichkeit, Vorstellungen vom Raum und seinen Grenzen zu hinterfragen“, so die Künstlerin.
Grenzpunkte sind auf der Landkarte eindimensional, in der Landschaft aber müssen sie sich in dreidimensionale Objekte verwandeln, da sie sonst verloren gingen. Der Mensch ist im Raum ebenso verloren. Er setzt Markierungen, um Orte zu schaffen. Denn ohne Orte wäre der Raum unendlich. Die Grenzpunkte und trigonometrischen Punkte bilden ein verdichtetes Feld von Setzungen.

„tutti lo fanno – alle machen es“ ist eine Serie von bearbeiteten Screenshots – Ansichten vom Gerhard-Marcks-Haus und seiner Umgebung. Grundlage sind die Bilder, die Google-Earth liefert. Alle drei Jahre fotografieren Flugzeuge ausgerüstet mit Kameras im Auftrag der Landesvermessungsämter die Erdoberfläche Deutschlands. Google nutzt diese Bilder für seine Dienste Google-Maps und Google-Earth. Betrachter auf?

Die Fotos von Google-Earth mit ihrer speziellen Bildästhetik sind eine Art Filter, durch den man die Erde betrachtet. Dieser Filter unterstützt die Verflachung unseres Erlebens, davon ist Stephanie Baden überzeugt. Ohne Bodenkontakt surft man völlig isoliert über die entstellte Erdoberfläche hinweg, begegne keinem Lebewesen, sehe nur Konglomerate von Häusern und Netze aus Straßen und Wasserwegen – eine verlassene Erde. Das ist für die Hamburgerin absurd.