Die Ausstellung kreist um das vielschichtige Thema des emotionalen Verhältnisses zwischen Mensch und Technologie. Kommunikationsabläufe finden nicht mehr allein zwischen Mensch und Mensch statt, sondern zwischen Mensch und Technologie und zunehmend tauschen digitale Technologien Daten nur noch untereinander aus.

Netzhammer, Jansen und Todo arbeiten an den Schnittstellen von Ingenieur- und Informatikwissenschaften mit Psychologie, Kognitionswissenschaften, Neurowissenschaften und Ethik. Sie bringen eine Vielfalt an technischen, künstlerischen und psychologischen Prinzipien zusammen. Die Werke lösen im menschlichen Betrachter eine Gefühlsebene aus, die nicht immer sprachlich greifbar wird, sondern ein empathisches Einfühlungsvermögen anspricht. Ihre artifiziellen Apparate werden auf unterschiedliche Art und Weise zu Spiegeln des Betrachters, in denen der Mensch sich begegnet und sich erkennt, manchmal in der Dopplung, manchmal in der Verzerrung.

Takayuki Todo geht mit seiner Arbeit „SEER“ der Frage nach, welchen emotionalen Effekt Blickkontakt und Mimik bei der Interaktion Mensch und Technologie erzeugen. Aus 3D-Druck- Modulen, Miniaturmotoren und Gesichtserkennungssoftware hat Todo einen anthropomorphen Kopf hergestellt, der den Blick des Betrachters sucht, ihn erwidert und dessen Gesichtsmimik spiegelt. Die minimalen Bewegungen stellen eine sofortige Synchronisation der Gestik und Mimik zwischen Mensch und Humanoid her und damit verbunden im Betrachter eine emotionale Reaktion.

Die Frage nach der Bedeutung von Emotionen und dem Blick des Anderen gehört zu den ewig menschlichen Themen, die in der gesamten Kulturgeschichte eine zentrale Rolle gespielt haben. Das Erkennen der Dinge beginnt damit, sie sinnlich zu begreifen. Der Mensch erlebt und begreift die Welt über seinen Körper, über seine Sinnesorgane und schafft darüber seine Interpretation von Welt in Form von Kenntnis. Der Körper ist das Medium des menschlichen In-der-Welt-Seins. Er ist zugleich dem Ich und der Welt zugehörig, er ist Subjekt und Objekt in einem. Mensch und Maschine unterscheiden sich jedoch wesentlich in ihren Sensorik-Apparaten, mit denen sie Welt wahrnehmen und verstehen.

Emotionale Signale und Zeichen kann der Mensch im Wesentlichen allein anhand physischer Merkmale erkennen. Interdisziplinäre Forschungsprojekte untersuchen unter dem Schlagwort „Affective Computing“ unterschiedliche Methoden, um die menschliche emotionale Resonanz auf digitale Agenten zu erhöhen und den vom Menschen gefühlten Unterschied zur Technologie zu minimieren. Zahlreiche Wirtschaftsbereiche treiben die Erforschung menschlicher Gefühlssysteme voran, um sie für die Entwicklung maschinellen Lernens und artifizieller Intelligenz einzusetzen.

Der Frankfurter Kunstverein hat Yves Netzhammer, Theo Jansen und Takayuki Todo eingeladen, eine Auswahl ihrer Werke in Einzelpräsentationen zu zeigen, für die der gemeinsame Titel „Empathische Systeme“ eine thematische Überkategorie setzt.