Mit Bühnenwelten (28. April – 8. September 2019) setzt das Museum Folkwang ab Sonntag, 28. April 2019, seine Reihe Bauhaus am Folkwang fort. Die zweite Kabinettschau ermöglicht einen Einblick in die performative Kultur der Bauhaus-Schule, wie sie von 1921 bis 1929 an der Bühnenwerkstatt gelehrt wurde. Gezeigt werden Fotografien, aber auch Spielgänge und Kostümentwürfe aus den Beständen des Museum Folkwang. Die Präsentation schließt an die Ausstellung Lyonel Feininger an, die noch bis zum 14. April 2019 im Museum Folkwang zu sehen ist. Der Eintritt in beide Ausstellungen ist frei.

Mit rund 40 Werken zeigt Bühnenwelten, dass die Lust am Spiel sowie an der Inszenierung Arbeit und Leben am Bauhaus miteinander verband. Aufgrund der zeitlichen Gebundenheit und des flüchtigen Charakters von Aufführungen treten in der Ausstellung die Druckgrafik und die Fotografie als künstlerische Ausdrucksmittel in den Vordergrund. Diese Hauptmedien werden in der Präsentation um das Gemälde Springende Tänzerin, Gret Palucca (1931) von Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) ergänzt. Die Projektionen von Bauhausstücken in der Filmbox im Foyer des Museum flankieren die Schau. Die Exponate illustrieren die Entwicklung der berühmten Bauhausbühne und thematisieren auch weniger bekannte Phasen wie die expressionistische Anfangszeit oder das Agitproptheater der Jungen Bauhaus-Bühne, die sich im letzten Jahr der Bühnenwerkstatt gründete.

Lothar Schreyer (1886–1966) wurde 1921 als erster Meister der Bühnenwerkstatt nach Weimar berufen. Anhand einer Werkgruppe von sieben druckgrafischen Arbeiten stellt die Ausstellung Schreyers expressionistische Bühnenkunstwerke vor. Zu den Exponaten gehören unter anderem der Spielgang zu Schreyers Stück Kreuzigung (1920) sowie die frühe Partitur zur DichtungErinnerung von August Stramm (1917–20), die anlässlich von Bühnenwelten für das Museum Folkwang erworben werden konnte.

Die zweite Werkgruppe ist der Maske gewidmet. Fotografische Arbeiten von Grete Stern (1904 –1999), Gyula Pap (1899–1983) oder Josef Albers (1888–1976) veranschaulichen, dass die Maske in den Inszenierungen des Bauhauses nach der Übernahme der Bühnenwerkstatt durch Oskar Schlemmer (1888–1943) im Jahr 1923 ihre Bedeutung beibehielt.

Anlässlich der Bühnenwelten wird der einzige in Essen erhaltene Entwurf für den sogenannten Folkwangzyklus (1928) von Oskar Schlemmer präsentiert. An ihm wird deutlich, wie das neue Schulgebäude in Dessau in den künstlerischen Arbeiten selbst zum Schauplatz wird. Neben einzelnen Fotografien von László Moholy-Nagy (1895–1946) thematisiert die Kabinettausstellung dies auch mit einer Auswahl von Werken Theodore Lux Feiningers (1910–2011).

Die Verbindung der künstlerischen Produktion in den Werkstätten zur Theater- und Festkultur fokussieren sechs Fotografien von Marianne Brandt (1893–1983). Sie zeigen Brandts vielseitige Auseinandersetzung mit dem Licht, sowohl im Medium Metall wie in der Fotografie. Mit dieser vierten Werkgruppe soll nicht zuletzt das Œuvre einer Künstlerin herausgestellt werden, der neben wenigen anderen Frauen am Bauhaus die Leitung einer Werkstatt übertragen wurde.

Das Museum Folkwang gibt im Jahr des Bauhausjubiläums 2019 mit der AusstellungreiheBauhaus am Folkwang Einblicke in seine vielfältigen Bestände. Drei Kabinettausstellungen zeichnen den Weg der Schule von ihren expressionistischen Anfängen bis hin zur programmatischen Neuausrichtung nach dem Motto „Kunst und Technik – eine neue Einheit“ nach. Nach Lyonel Feininger (bis 14. April 2019) vermittelt Bühnenwelten (28. April – 8. September 2019) als zweite Präsentation der Reihe einen Eindruck von der performativen Kultur der Schule. Abschließend vollzieht die dritte Präsentation am Beispiel von László Moholy-Nagy (20. September 2019 – 12. Januar 2020) die mediale Wende hin zu Fotografie und Film nach.

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