Lisa Holzer erkundet die Logik des Begehrens durch Bilder, Texte, performative Gesten und subtile Veränderungen an Ausstellungskonventionen. In ihren jüngsten Arbeiten werden vulgäre, aber appetitliche Fotos von Lebensmitteln formlos gemacht, vergrößert und zu einer malerischen, manchmal anthropomorphen Qualität abstrahiert und so Beschreibungen ästhetischer Erfahrungen hervorgerufen, welche von Theodor Adorno in seiner ästhetischen Theorie als „geschmackvoll genießen“ und „körperlich verschlingen“ bezeichnet werden und die Kunst in eine unbequeme Nähe zu „Küche und Pornografie“ bringen. Die daraus resultierenden Bilder verspotten und zelebrieren gleichermaßen die Hinterlassenschaften der abstrakten Malerei und arbeiten zugleich mit Klischees und den Erwartungen an das Medium Fotografie selbst. Mit Humor und kritischem Witz thematisiert ihre Praxis Bedingungen von Arbeit, Sichtbarkeit und Machtstrukturen gegenüber KünstlerInnen, Kunstwerken und dem Kunstsystem selbst.

Esst mich! zeigt nur Beilagen und Desserts - kein Hauptgericht, keine Mitte. Bilder von Kakao, Camembert, Schweine- und Honigschweineohren (Hundeleckereien) für die Jungs; Milchreis, Vanille- und Erdbeereis, pürierte Linsen, Zuckerguss, Kopfsalat (für die Erwachsenen), pürierte Karotten, Avocado-Gatsch; Omelettes, die zu Türklinken werden; die Innenseite von Chipsverpackungen, in denen Farben wie Gesichter reflektiert werden; Chrysanthemen, Todesblumen ohne Grün; und mit und ohne Blitz fotografierte Bilder einer Toilettenspülung.

Die Hängung von Esst mich! ist eine Arbeit für sich, wobei einzelne Bildserien der Künstlerin in Form eines geflochtenen Zopfes organisiert sind (Hallo München!). Alle Werke sind verbunden durch Fragen nach Begehren, Begehren als Problem und ihr Begehren gesehen zu werden. Etliche Bilder schwitzen. Einige weinen (Polyurethan-Tropfen oder Tränen außen auf dem Glas der Rahmen, die man nicht entfernen kann). Einige kotzen auch ein wenig (Acrylfarbe außen auf dem Glas der Rahmen). Nicht zuletzt, um ihr nur digitales Lesen zu erschweren. Andere sind schmutzig von Ruß und/oder Eiscreme- Fingerabdrücken. Sie sollen als Protagonisten gelesen werden. 

Eine lange Spiegelwand entlarvt alles, auch den Betrachter, durchbricht die mächtige Symmetrie des Hauptraumes und erlaubt einigen der Bilder nur aus nächster Nähe betrachtet zu werden. Der Raum reflektiert sich selbst sowie über Andere und andere Bilder.

In einer eher liebevollen, mütterlichen Geste wird Holzer während der Eröffnung mit ihren warmen Händen kleine, niedliche und immer weichere Vanille- und Erdbeereis-Penisse formen, die aus einer anderen Serie von Bildern, welche ebenfalls Teil dieses Zopfes ist. Holzer wird sie zum Vergnügen reproduzieren.

Alle, die diese kalten, süssen Vanilleeis-Schwänze verzehren, werden dann Teil der Arbeit, ihre Körper jedenfalls. Später werden sie Kunst scheißen. Eine Klospülung bedienen. Und sie werden erleichtert sein. Nichts wird verschimmeln und von Ratten konsumiert werden (oder Würmern).

Esst mich! wird durch eine Reihe von Veranstaltungen ergänzt, die Musik, Performances, Vorträge und Lesungen kombinieren.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 12:00 - 18:00 Uhr 
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstverein-muenchen.de