"Die Welt ging zu Ende, wie sie es seit Jahrtausenden getan hatte."

Vom 25. Mai bis 21. Juli 2019 präsentiert der Kunstverein München Leviathan - eine Einzelausstellung von Shezad Dawood im Kino. Leviathan ist ein umfangreicher, zehnteiliger Filmzyklus, der von Dawood konzipiert und inszeniert wurde und sich der Science-Fiction bedient, um dringende Fragen globaler Umwelt- und humanitärer Krisen zu adressieren. Für die Ausstellung wird Dawood die ersten drei Episoden dieses Projekts erstmals in Deutschland zeigen, das von einer Publikation und einem Symposium am 16. Juli 2019 begleitet wird.

Shezad Dawoods Leviathan wurde im Mai 2017 in Venedig anlässlich der 57. Biennale eingeweiht und hat sich seitdem an mehreren Institutionen sukzessiv entfaltet. Es entwickelt sich bis zu seiner Fertigstellung im Jahr 2021 stets fort. Im unermüdlichen Austausch mit einer Vielzahl von Meeresbiologen, OzeanographInnen, PolitikwissenschaftlerInnen, Neurologen, Traumaspezialisten und anderen Wissenschaftlern, sieht Leviathan eine Zukunft, die sich unserer heutigen annähert, um mögliche Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Migration, psychischer Gesundheit und dem Zustand der Meere zu untersuchen. Die Videos lassen sich in einer imaginären Zukunft verorten, deren BewohnerInnen Überlebende eines katastrophalen Ereignisses sind. Jede Episode wird aus der Sicht eines anderen Charakters erzählt und verfolgt ihre Reisen, während sie durch Europa, Asien und Nordafrika driften.

Episode 1: Ben (2017) formuliert ein paranoides und oft humorvolles Geschimpfe eines gleichnamigen Ich-Erzählers, als er sich an Besuche im Naturkundemuseum in London mit seinem Vater, einem Meeresbiologen, erinnert und sich auf eine globalen Katastrophe mit Sonnenflecken, Phytoplanktonblüten und Massenselbstmord besinnt.

In Episode 2: Yasmine (2017) wird dem Betrachter Yasmine vorgestellt, eine junge Frau marokkanisch-französischer Herkunft, die allein in Plymouth an der Südküste Englands in einem verlassenen Gefüge lebt, besetzt von Assoziationen an die Mayflower und die koloniale Marine. Teilweise werden ihre Gedanken unterbrochen, als sie auf einen anderen Überlebenden, einen jungen Mann, trifft. Gemeinsam reisen sie durch eine postapokalyptische Welt.

Episode 3: Arturo (2017) spielt auf einer Insel in der Lagune von Venedig, die von einer religiösen Gruppe unter der Leitung von Arturo bewohnt wird. Diese verkommenen und von dionysischen Zügen geleiteten Menschen verehren den Wurm als Symbol für das Ende, die Dezentralisierung und das Leben vom Verfall und werden von Yasmine und Ben begrüßt. Jedes der Videos kombiniert eine große Auswahl an Found Footage, die sorgfältig bearbeitet wurden, mit lebendigen neuen Sequenzen und Bildern, die in mehrsprachiger Erzählung und einem emotional ansprechenden Soundtrack kombiniert wurden. Zusammen vergegenwärtigen die Episoden die heutige Situation auf seltsame Weise und eröffnen eine komplexe Erzählung, welche den Zusammenhang von menschlichem und ökologischem Trauma aufzeigt.

Eine von Julie Peeters gestaltete und kostenlose Publikation wird die drei Episoden in deutscher und englischer Sprache nachvollziehbar machen, den unverwechselbaren literarischen Charakter des Leviathan hervorheben und seine zukünftige Entwicklung als Roman in Gang setzen. Jeder der poetischen Texte nimmt einen scharfen Bezug auf Geschichte, Mythologie, Literatur, Politik und Wissenschaft und dient als einzigartige und eigenständige Prosa, während sie gleichzeitig weitere Bedeutungen in den Filmen freisetzt.

Ein essentielles Element der Ausstellung ist das Symposium am 16. Juli um 19 Uhr. Dabei werden wichtige Themen im Zusammenhang mit dem Leviathan behandelt, darunter die Geschichte und gelebten Erfahrungen mit Katastrophe, Klimawandel und Migration, wodurch das Projekt in den gegenwärtigen Herausforderungen, denen wir als globale Gemeinschaft gegenüberstehen, verankert wird. Eingeladen werden WissenschatlerInnen aus unterschiedlichen Forschungsbereichen, die sich mit ihrer Expertise und im Gespräch mit dem Künstler den im Film behandelten Themen stellen werden. Tatsächlich betrachtet der Künstler den Leviathan als ein globales und kollektives Open-Source-Forschungsprojekt. Die Ausstellung wird das breite Spektrum der Forschung ergänzen, das der Künstler kontinuierlich in Ausstellungen und auf der Website des Projekts sammelt und präsentiert: https://leviathan-cycle.com.

Das einstündige Video-Trio sind im Kino des Kunstvereins München während der gewohnten Öffnungszeiten zu sehen.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 12:00 - 18:00 Uhr 
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstverein-muenchen.de

Filmstill Leviathan Cycle, Episode 1: Ben (2017) © Shezad Dawood
25.05. - 21.07.2019

Shezad Dawood: Leviathan

Kunstverein München e.V.

Galeriestraße 4
80539 München