Mit ihren Porträts und Selbstbildnissen verlieh Lotte Laserstein dem modernen Leben der Weimarer Republik ein Gesicht. Parallel zu ihrer Ausstellung in der Berlinischen Galerie zeigen wir aus unserer Sammlung rund dreißig weitere Porträts und Selbst­bildnisse von Künstler*innen, die in den zwanziger und dreißiger Jahren wie Laserstein in Berlin lebten und arbeiteten. Neben bekannten Namen wie Otto Dix, George Grosz, Conrad Felixmüller oder Jeanne Mammen sind Künstler*innen zu entdecken, die heute weitgehend vergessen sind. Einige waren in ihrer Zeit sehr bekannt, beeinflussten die Berliner Kunstszene und verkauften gut. Die Sammlung der Berlinischen Galerie bewahrt eine große Zahl an Werken aus den Goldenen Zwanziger Jahren. Den Werken von Laserstein entsprechend, liegt der Fokus auf realistischen, naturalistischen, neusachlichen, in Ausnahmen auch expressiven Porträts.

In den 1920er Jahren lebte das Genre Porträt in der Bildenden Kunst noch einmal auf. Vieleder hier ausgestellten Maler*innen porträtierten ihre Kinder, Künstlerkolleg*innen, ihre Geliebten oder sich selbst in Situationen privater Vertrautheit. Sie legten das Gewicht auf ihre persönliche Wahrnehmung. Die Bilder verraten daher nicht nur etwas über die dargestellten Personen. Auch die Art der Beziehung zwischen Maler*in und Modell ist in vielen Fällen ablesbar oder sogar Thema. Nicht zuletzt kann sich auch das jeweilige malerische Interesse in privaten Bildnissen oder Selbstporträts freier entfalten als in Auftragswerken. 

Einige der Arbeiten, die hier zu sehen sind, waren noch nie ausgestellt. In der Gesamt­ schau werfen sie ein Schlaglicht auf die lebendige Kunstszene der Weimarer Republik. Mit der Macht­übernahme der Nationalsozialisten 1933 und ihren brutalen Repressionen, unter anderem gegen Menschen jüdischer Herkunft, politisch Andersdenk­ende und die Avantgarde, fand diese kulturelle Viel­falt ein Ende. Zahllose Künstler*innen wurden verfolgt, ihre Werke für entartet erklärt. Sie sahen sich gezwungen, sich in die Isolation zurückzu­ziehen oder, wie Lotte Laserstein, Deutschland zuverlassen. Vielversprechende Karrieren fanden so einjähes Ende. Nur wenigen Künstler*innen gelang es nach dem Krieg, an die früheren Erfolge anzuknüpfen.

Otto Herbig, Mädchen vor Vase mit Blumenzweigen, 1946, © Fridolin Frenzel Repro: Kai-Annett Becker
05.04. - 29.07.2019

Gesichter der Zwanziger Jahre. Aus der Sammlung der Berlinischen Galerie

Berlinische Galerie

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10969 Berlin